Mein Leben zwischen der Wehrdienstverweigerung und dem Rettungssanitäter!
”Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich Anfang der 1980er Jahre einen Brief aus Jülich bekam”
- Mein Name ist Jakob Diener, ich bin nicht nur freiberuflicher Redakteur und Journalist, sondern auch Rettungssanitäter!
“Jülich”
- Für viele Leserinnen und Leser mag der Name Jülich zunächst nicht viel sagen, deshalb ein Blick auf den Ort.
“Die Stadt Jülich”
- Jülich ist eine Stadt im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen zwischen Aachen, Köln und Düsseldorf, mit rund 33 000 Einwohnern und einer über 2000-jährigen Geschichte, die bis in die römische Zeit zurückreicht.
- Sie war mehrfach befestigt, war Sitz von Herzögen und hatte später als Garnisonsstadt militärische Bedeutung.
“Die Kernforschungsanlage Jülich”
- Heute ist Jülich vor allem bekannt für das internationale Forschungszentrum und für seine historische Zitadelle.
“Das Kreiswehrersatzamt”
- In Jülich befand sich zu jener Zeit das sogenannte Kreiswehrersatzamt, die Dienststelle der Bundeswehr, die junge Männer wie mich nicht nur einberufen, sondern auch gründlich untersucht hat – inklusive jener peinlichen körperlichen Checks, bei denen geprüft wurde, ob man einen Leistenbruch hatte oder nicht.
- Es war ein System, das dem Einzelnen wenig Raum ließ, seine Haltung zum Staatsdienst an der Waffe frei zu äußern.
“Die Verweigerung”
- Nach einigem Hin und Her machte ich damals eine klare Ansage!
- Ich würde den Dienst an der Waffe verweigern, und zwar egal, was der Staat mir dafür antun wollte.
“Die Konsequenz”
- Dieser Schritt war für mich nicht nur eine bürokratische Entscheidung, sondern eine ethische Konsequenz.
“Das Busunternehmen KVE In Erkelenz”
- Es war genau in dem Moment, als ich als Tankwart bei der Firma KVE in Erkelenz arbeitete, dass sich meine Perspektive wand.
“Das DRK in Erkelenz”
- Ich ging zu den Leuten vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und erzählte ihnen von meiner Situation.
“Der RTW”

- Jemand, der als Fahrer eines sogenannten RTW tätig war – das steht für Rettungswagen, ein straßengebundenes Fahrzeug des Rettungsdienstes, ausgestattet für die Notfallversorgung und den Transport von akut erkrankten oder verletzten Menschen in Kliniken – sagte zu mir:
- „Komm am Montagmorgen direkt zu uns, und wir klären die ganze Geschichte.“
“Das DRK e.V.”
- Also machte ich mich Montag Morgen auf den Weg zum Deutschen Roten Kreuz, das nur etwa 80 Meter von meiner Tanzstraße entfernt lag.
“Der Plan”
- Dort setzten wir uns zusammen und erarbeiteten einen Plan.
- Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits den PKW-Führerschein und eine Ersthelferausbildung beim DRK in Heinsberg absolviert – Voraussetzungen, die mir in die Karten spielten und meine Motivation bestätigten.
“Der Ausbildungsvertrag”
- Ohne das Wissen meiner Eltern unterzeichnete ich einen Ausbildungsvertrag zum Sanitäter und später zum Rettungssanitäter.
“Der Sanitäter”
- Ein Sanitäter ist eine personell qualifizierte Fachkraft im Rettungsdienst, die in Notfällen Erste Hilfe leistet, Verletzte versorgt, den Zustand stabilisiert und medizinische Maßnahmen bis zur Übergabe an weiterführende Versorgungspersonal in Kliniken durchgeführt hat.
- Er ist ein zentraler Bestandteil der Rettungskette und damit eine verbindende Schnittstelle zwischen unmittelbarer Nothilfe vor Ort und der weiteren medizinischen Betreuung.
- Solche Ausbildungen sind in Deutschland klar geregelt, Qualitätssicherungsstandard und Ausbildungsvoraussetzung für den verantwortungsvollen Einsatz im Rettungsdienst.
- Während meiner Ausbildung ging es nicht nur um reine Theorie.
“Jedes Wochenende”
- Jedes Wochenende fuhr ich per Bahn zum Ausbildungszentrum des Deutschen Roten Kreuzes nach Bonn, um praktische Erfahrungen und vertieftes Wissen zu sammeln.
- Dazu gehörten standardisierte Notfalltrainings, Simulationsszenarien und immer wieder medizinische Fallbeispiele, die uns auf reale Einsätze vorbereiteten.
“Der Rettsan”
- Wir haben den Rettungssanitäter untereinander immer liebevoll „Rettsan” genannt – eine Art Insider Begriff, der zeigt, wie stark wir uns mit der Rolle identifizierten.
- Doch unser Engagement ging über die Versorgung von Unfällen hinaus:
“Die Katastrophenschutzübungen”
- Wir nahmen auch an Katastrophenschutzübungen teil, zum Beispiel in der Eifel, am Gelände Vogelsang.
“Vogelsang”
- Das Gelände Vogelsang liegt in der deutschen Nord-Eifel zwischen den Orten Simmerath, Heimbach und Schleiden in Nordrhein-Westfalen.
“Das Übungsgelände”
- Es war lange ein militärisches Übungsgelände – genutzt zunächst von britischen Streitkräften ab 1946 und danach bis Ende 2005 von belgischen Truppen im Rahmen der NATO-Alliierte.
- Auf einer Fläche von rund 45 Quadratkilometern – die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang und das umliegende Plateau – wurden militärische Trainings durchgeführt, inklusive Übungen, die den Katastrophen- und Zivilschutz einschlossen.
- Seit dem 1. Januar 2006 ist dieses Gelände Teil des Eifel-Nationalparks und kann zivil genutzt werden
”Ein Wandel, der auch die Perspektive auf militärische Landschaften in Deutschland verändert hat”
- Zu erleben, wie diese Übungen abliefen, und welche logistischen und medizinischen Anforderungen gestellt wurden, war in der Ausbildung zum Rettungssanitäter ein prägender Teil.
- Wir lernten dort nicht nur, wie man in Notsituationen handelt, sondern auch, wie man Teams koordiniert, Ressourcen plant und in komplexen Einsatzlagen einen kühlen Kopf bewahrt.
“Heute”
- Im Rückblick bin ich heute sehr dankbar für diese Chance und Arbeit im Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Heinsberg e.V. – nicht nur, weil sie mir eine Alternative zum Dienst an der Waffe eröffnet hat, sondern weil sie mir ermöglicht hat, Menschen in ihren schwierigsten Momenten beizustehen.
“Die Verantwortung”
- Ich habe gelernt, medizinische Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und in Situationen, in denen jede Sekunde zählt, zu handeln.
- Ausharren, lernen, mitfühlen und retten – das war mein Weg zwischen Verweigerung, Einsatz und gelebter Nächstenliebe.



