„Roland JC 120“
- Der Roland JC-120 ist für mich nicht einfach nur ein Gitarrenverstärker.
- Er steht für eine Zeit, in der Musiker, Verstärker, Effektgeräte, Mischpulte, Kabel, Stageboxen, Multicore-Systeme, Endstufen und Lautsprecher noch eine große zusammenhängende technische Welt bildeten.
- Genau diese Welt möchte ich hier einmal vollständig betrachten.
- Denn wenn man verstehen möchte, wie ein solcher Gitarrensound damals tatsächlich auf einer großen Bühne entstand, reicht es nicht aus, nur auf den Roland JC-120 zu schauen.
- Man muss den gesamten Weg des Signals betrachten.
- Vom Saitenschwinger bis zum Lautsprecher.
- Und letztlich sogar bis zum Ohr des Musikers.
„Wissen aus Beruf, privatem Leben und Analyse“
- Dieser Beitrag gehört damit genau zu dem Bereich, den ich auf meiner Webseite mit „Wissen aus Beruf, privatem Leben und Analyse“ beschreibe.
- Denn hier kommt Wissen aus meinem Beruf als Musiker mit jahrzehntelanger praktischer Erfahrung zusammen.
- Dazu kommen persönliche Erinnerungen an die Arbeit auf der Bühne und an die Technik, mit der wir damals gearbeitet haben.
- Und schließlich kommt die technische Analyse hinzu, die zeigt, was innerhalb dieser langen analogen Signalkette tatsächlich passiert ist.
„Mein Name ist Jakob Diener“
- Ich bin freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen, einem Bundesland im Westen Deutschlands, und ehemaliger Berufsmusiker mit jahrzehntelanger praktischer Erfahrung.
- Die Musik war über viele Jahre ein wesentlicher Bestandteil meines Berufslebens.
- Ich habe als Gitarrist gearbeitet und dabei nicht nur Instrumente gespielt, sondern die Entwicklung der Bühnentechnik unmittelbar erlebt.
- Meine praktische Erfahrung reicht von Gitarren und Verstärkern über Effektgeräte und Mischpulte bis hin zu den großen technischen Zusammenhängen einer professionellen Beschallungsanlage.
- Gerade deshalb möchte ich hier nicht einfach einen alten Verstärker beschreiben.
- Ich möchte rekonstruieren, wie eine solche Anlage tatsächlich funktioniert hat.
- Dabei trenne ich bewusst zwischen technisch dokumentierten Eigenschaften der Geräte und meinen eigenen Erinnerungen aus der Praxis.
„Der Anfang war die Gitarre“
- Am Anfang einer solchen Signalkette steht zunächst etwas sehr Einfaches.
- Eine Saite wird angeschlagen.
- Bei einer Fender Stratocaster entsteht durch die schwingende Saite zunächst ein elektrisches Gitarrensignal über die Tonabnehmer.
- Dieses Signal ist noch lange nicht das, was später im Saal aus den Lautsprechern kommt.
- Dazwischen liegen zahlreiche Stationen.
- Und jede dieser Stationen kann den Klang verändern.
„Meine Fender Stratocaster“
- Eine meiner wichtigen praktischen Verbindungen zu dieser Welt war die Fender Stratocaster.
- Gerade die Kombination aus Stratocaster und einem sehr sauber arbeitenden Verstärker wie dem Roland JC-120 konnte eine enorme Klarheit entwickeln.
- Der JC-120 wurde 1975 vorgestellt und war von Anfang an als besonders sauber klingender Transistorverstärker konzipiert.
- Roland beschreibt den Verstärker als 120-Watt-Stereoverstärker mit zwei 12-Zoll-Lautsprechern.
- Sein berühmter Dimensional Space Chorus gehört zu den entscheidenden Besonderheiten dieses Verstärkers.
„Der Roland JC-120“
- Der entscheidende Punkt ist für mich dabei nicht einmal die Zahl von 120 Watt.
- Viel interessanter ist die Architektur.
- Der JC-120 arbeitete mit zwei Verstärkerseiten und zwei Lautsprechern.
- Beim integrierten Chorus wird das direkte Signal mit einem modulierten Signal räumlich miteinander verbunden.
- Roland beschreibt die Konstruktion ausdrücklich mit zwei separaten Verstärkerwegen, bei denen ein Lautsprecher das direkte Signal und der andere das modulierte Signal wiedergibt.
- Dadurch entsteht der räumliche Eindruck, für den dieser Verstärker berühmt geworden ist.
„Dieser Klang bewegte sich“
- Genau hier beginnt die Erinnerung aus der Praxis.
- Wenn man auf einer Bühne steht und einen solchen räumlichen Effekt tatsächlich hört, ist das etwas anderes, als heute auf einem Bildschirm eine Beschreibung über Stereo und Chorus zu lesen.
- Man hört nicht einfach nur einen Effekt.
- Man nimmt wahr, dass sich der Klang im Raum bewegt.
- Gerade bei Chorus oder Flanger konnte dieser Eindruck entstehen.
- Ein Klang schien von einer Seite zur anderen zu wandern und anschließend wieder zurückzukommen.
- Das sind Momente aus meiner aktiven Musikerzeit, die ich bis heute nicht vergessen habe.
- Und genau deshalb gehört diese persönliche Ebene in diesen Beitrag.
„Der JC-120 war kein digitales System“
- Der JC-120 stammt aus einer Zeit, in der digitale Signalverarbeitung auf der Bühne noch keine Selbstverständlichkeit war.
- Die entscheidenden Funktionen wurden analog erzeugt.
- Das bedeutete nicht, dass die Technik primitiv gewesen wäre.
- Ganz im Gegenteil.
- Die damaligen Entwickler mussten mit elektronischen Schaltungen, Verstärkern, Filtern, Kabeln und Lautsprechern genau das erreichen, was heute häufig ein digitaler Signalprozessor übernimmt.
- Der Unterschied liegt vor allem darin, wie diese Aufgabe technisch umgesetzt wurde.
„Das Yamaha SB200 System“
- Vor dem Verstärker konnte eine weitere wichtige Ebene liegen.
- In meinem damaligen technischen Umfeld spielte das Yamaha SB200 System Board eine Rolle.
- Yamaha führt das SB200 in seiner offiziellen Chronologie im Zusammenhang mit der 1980 eingeführten PSE-Effektserie auf.
- Das System Board war dafür vorgesehen, verschiedene Effektmodule miteinander zu kombinieren.
- Damit wurde aus einzelnen Effekten eine flexibel konfigurierbare Signalkette.
- Und genau das war für Musiker interessant.
„Effekte waren Bestandteil der Signalkette“
- Chorus, Distortion, Flanger, Lautstärkeregelung und weitere Effekte waren nicht einfach irgendwelche Zusatzgeräte, die irgendwo herumlagen.
- Sie waren Bestandteil des Instrumentsystems.
- Beim Yamaha SB200 gab es dafür zahlreiche Anschlussmöglichkeiten.
- Zeitgenössische Berichte beschreiben sogar 44 Klinkenanschlüsse, über die sich die Reihenfolge verschiedener Effektmodule verändern ließ.
- Damit konnte der Musiker entscheiden, welcher Effekt vor oder hinter einem anderen Effekt lag.
- Das ist technisch wichtig.
- Denn ein Flanger vor einer Verzerrung klingt nicht zwangsläufig genauso wie ein Flanger hinter einer Verzerrung.
- Die Reihenfolge der Geräte gehört deshalb bereits zur Klanggestaltung.
„Die Westerngitarre war eine andere Welt“
- Neben der elektrischen Gitarre gab es noch eine ganz andere Signalquelle.
- Meine Fender CD-60 Westerngitarre hatte in der von mir verwendeten Ausführung keine eingebaute Tonabnehmer-Elektronik.
- Sie war also nicht einfach mit einem Instrumentenkabel an einen Verstärker anzuschließen.
- Der akustische Klang musste mit einem separaten Sennheiser-Mikrofon aufgenommen werden.
- Damit begann für die Westerngitarre die Signalkette bereits am Mikrofon.
- Das Mikrofon wandelte den Schall der Gitarre in ein elektrisches Audiosignal um.
- Erst danach konnte dieses Signal in die professionelle Beschallung gelangen.
„Vom Mikrofon zum Kabel“
- Damit kommen wir zu einem Bauteil, das häufig viel zu wenig Beachtung bekommt.
- Dem Kabel.
- Ein professionelles analoges Beschallungssystem bestand nicht nur aus Geräten.
- Es bestand auch aus sehr vielen Metern Kabel.
- Vom Mikrofon oder Instrument ging das Signal zum nächsten Gerät.
- Von dort ging es weiter zur Stagebox.
- Von der Stagebox ging es über das Multicore-Kabel zum Mischplatz.
Und vom Mischpult ging es wiederum weiter zu den verschiedenen Signalwegen.
„XLR und Klinke“
- Dabei wurden unterschiedliche Steckverbindungen eingesetzt.
- XLR-Verbindungen waren im professionellen Mikrofon- und Line-Bereich besonders wichtig.
- Bei Instrumenten und Effektgeräten waren 6,3-mm-Klinkenstecker üblich.
- Dabei darf man allerdings nicht den Fehler machen, jeden historischen Klinkenanschluss automatisch gleichzusetzen.
- Es gab zweipolige und dreipolige Klinkenverbindungen und unterschiedliche Aufgaben.
- Eine dreipolige Klinke konnte beispielsweise für symmetrische Signale oder für Stereoanwendungen eingesetzt werden.
- Die konkrete Funktion musste deshalb immer anhand des jeweiligen Gerätes betrachtet werden.
„Die Stagebox“
- Auf der Bühne liefen die einzelnen Signale schließlich an einem zentralen Punkt zusammen.
- Das war die Stagebox.
- Von dort aus wurden die vielen einzelnen Signalwege über ein Multicore-Kabel in Richtung FOH-Platz geführt.
- Das Prinzip ist bis heute bekannt.
- Eine moderne CORDIAL CYB 24-4 beispielsweise besitzt 24 Eingänge und vier Rückwege und ist ausdrücklich für die analoge Signalübertragung zwischen Bühne und FOH ausgelegt.
- Die heutige Ausführung ist ein 30-Meter-System und darf deshalb nicht einfach als das historische Kabelsystem meiner damaligen Zeit bezeichnet werden.
- Sie zeigt aber sehr anschaulich das Prinzip.
„Das Multicore“
- Das Multicore war im Grunde eine Vielzahl einzelner Leitungen, die gemeinsam in einem großen Kabel geführt wurden.
- Das hatte einen entscheidenden Vorteil.
- Man musste nicht für jedes einzelne Signal ein separates Kabel über den gesamten Weg zum Mischplatz legen.
- Stattdessen wurden viele Kanäle gemeinsam geführt.
- Auf großen Bühnen konnte daraus ein erheblicher technischer Kabelweg entstehen.
- Meine eigene Erinnerung reicht dabei zu großen Veranstaltungshallen, in denen der FOH-Platz deutlich vom eigentlichen Bühnenbereich entfernt lag.
- In großen Anlagen konnte der gesamte Signalweg dadurch sehr lang werden.
- Meine Erinnerung an Strecken von deutlich über hundert Metern und in bestimmten Hallensituationen sogar an Größenordnungen von mehreren hundert Metern bezieht sich dabei auf den gesamten praktischen Signalweg und nicht auf ein einzelnes Multicore-Kabel.
„Der Yamaha MC2404“
- Am Ende dieses Multicore-Weges stand bei meinem beschriebenen historischen System der Yamaha MC2404.
- Das war ein echtes analoges Arbeitstier.
- Yamaha selbst stellt für die MC-Serie noch die originalen Bedienungsunterlagen zur Verfügung.
- Der MC2404 gehörte zur Serie der MC1204, MC1604 und MC2404 und war als professioneller Mixer unter anderem für Beschallung, Aufnahme und Theateranwendungen vorgesehen.
- Zeitgenössische Yamaha-Unterlagen beschreiben den MC2404 als 24-Kanal-Mischpult.
- Jeder Eingangskanal verfügte unter anderem über Pad und Gain, einen dreibändigen Equalizer mit durchstimmbaren Mitten, mehrere Send-Wege, Panorama, Gruppenrouting und einen 100-Millimeter-Fader.
- Die vier Gruppen konnten wiederum auf die Stereo-Hauptausgänge geroutet werden.
„Hier wurde wirklich gemischt“
- Das Entscheidende war das analoge Arbeiten.
- Jeder Kanal war physisch vorhanden.
- Jeder Fader war vorhanden.
- Jeder Regler war vorhanden.
- Jede Änderung musste tatsächlich am Gerät vorgenommen werden.
- Das Mischpult war keine Softwareoberfläche.
- Es war ein großes technisches Instrument.
- Und der Toningenieur arbeitete damit gewissermaßen wie ein Musiker mit seinem eigenen Instrument.
„Das Signal hatte mehrere Wege“
- Vom Yamaha MC2404 ging das Signal nicht einfach nur zu einem einzigen Lautsprecher.
- Es gab verschiedene Signalwege.
- Der Hauptmix konnte zur Saalbeschallung geführt werden.
- Andere Wege konnten für Monitorsysteme genutzt werden.
- Gruppen konnten für bestimmte Signalgruppen verwendet werden.
- Zusätzliche Ausgänge konnten für weitere technische Aufgaben zur Verfügung stehen.
- Das war einer der Gründe, weshalb ein großes analoges Mischpult so viele Anschlüsse und Bedienelemente besaß.
„Der Monitorweg“
- Für den Musiker war aber nicht nur der Saal interessant.
- Entscheidend war die Frage:
- Was höre ich selbst auf der Bühne?
- Dafür gab es die Monitorwege.
- Aus dem Mischpult wurde ein eigener Monitormix erzeugt.
- Dieser wurde über entsprechende Ausgänge zu Monitorverstärkern geführt.
- Von dort ging es zu den Bühnenmonitoren.
- Diese standen als sogenannte Wedges vor oder neben den Musikern.
- Der Musiker hörte dadurch einen realen Lautsprecher im Bühnenraum.
„Das war mein akustischer Arbeitsplatz“
- Ein Bühnenmonitor war deshalb viel mehr als ein technisches Gerät.
- Er war Teil des persönlichen Arbeitsplatzes eines Musikers.
- Man hörte nicht nur sich selbst.
- Man hörte die anderen Musiker.
- Man hörte den Raum.
- Man hörte die Lautsprecher.
- Man hörte unter Umständen auch den eigenen Verstärker unmittelbar auf der Bühne.
- All diese Dinge vermischten sich zu einem akustischen Gesamtbild.
„Heute sind die Ohren anders angebunden“
- Heute kann ein Musiker stattdessen einen In-Ear-Monitor verwenden.
- Dann geht der Monitormix vom Mischpult beziehungsweise vom digitalen Monitor-System zu einem Sender.
- Von dort wird er drahtlos zum Empfänger des Musikers übertragen.
- Der kleine Empfänger hängt am Körper und führt das Signal direkt zu den Ohrhörern.
- Technisch ist das sehr leistungsfähig.
- Der Musiker kann seinen eigenen Monitormix sehr genau bekommen.
- Die Bühnenlautstärke kann reduziert werden.
- Rückkopplungen und Übersprechen lassen sich besser kontrollieren.
- Aber das Hörerlebnis ist ein anderes.
- Ich persönlich verbinde mit den damaligen Bühnenmonitoren eine völlig andere Form des Musizierens.
„Der analoge 19-Zoll-Rack“
- Hinter dem Mischpult begann eine weitere Welt.
- Die Welt der schwarzen 19-Zoll-Racks.
- Dort saßen zahlreiche Geräte nebeneinander.
- Und jedes Gerät hatte seine eigene Aufgabe.
- Das ist ein entscheidender Unterschied zur heutigen Technik.
- Heute können Equalizer, Frequenzweichen, Limiter, Delays und Lautsprecherverwaltung in einem digitalen DSP-System zusammengefasst werden.
- Damals waren solche Funktionen vielfach auf mehrere einzelne Geräte verteilt.
„Der Equalizer“
- Ein besonders wichtiges Gerät war der grafische Equalizer.
- Er diente nicht nur dazu, den Klang schöner zu machen.
- Bei einer professionellen Beschallungsanlage ging es vor allem darum, das Gesamtsystem an Raum und Lautsprecher anzupassen und kritische Frequenzen zu kontrollieren.
- Ein bekannter Vertreter dieser Geräteklasse war der Klark Teknik DN360.
- Klark Teknik blickt auf die Entwicklung seiner grafischen Equalizer bereits in die 1970er Jahre zurück und nennt die DN300-Serie ab 1982 ausdrücklich als wichtige Entwicklung, die zum Industriestandard wurde.
- Der DN360 wurde später zu einem geradezu legendären Werkzeug der professionellen Beschallung.
„Yamaha Q2031“
- Auch Yamaha hatte mit dem Q2031 einen professionellen grafischen Equalizer im Programm.
- Die Yamaha-Dokumentation beschreibt die Baureihe als 31-Band-Equalizer mit 1/3-Oktav-Aufteilung.
- Damit konnte der Frequenzbereich sehr fein bearbeitet werden.
- Solche Geräte machten sichtbar, was heute häufig hinter einer digitalen Benutzeroberfläche verschwindet.
- Man sah eine ganze Reihe von Schiebereglern.
- Jeder einzelne stand für einen Frequenzbereich.
„Die Frequenzweiche“
- Nach der Entzerrung konnte eine weitere wichtige Aufgabe folgen.
- Die Frequenzweiche.
- Bei großen Beschallungsanlagen musste das gesamte Frequenzspektrum nicht zwangsläufig an denselben Lautsprecherweg geschickt werden.
- Tiefe, mittlere und hohe Frequenzen konnten auf unterschiedliche Verstärker- und Lautsprecherwege verteilt werden.
- Bei einer aktiven Frequenzweiche geschah die Aufteilung bereits auf Line-Pegel vor den Endstufen.
- Danach konnte beispielsweise eine Endstufe den Bassbereich und eine andere den Mittel- oder Hochtonbereich übernehmen.
„Die passive Frequenzweiche“
- Daneben gab es passive Frequenzweichen.
- Diese lagen hinter der Endstufe im Lautsprecherweg.
- Sie teilten das bereits verstärkte Signal innerhalb eines Lautsprechersystems auf die jeweiligen Lautsprecherchassis auf.
- Damit existierten zwei grundsätzlich unterschiedliche technische Konzepte.
- Aktive Frequenzweiche vor den Endstufen.
- Passive Frequenzweiche hinter der Endstufe im Lautsprecher.
- In großen historischen Beschallungssystemen konnten solche Konzepte auch miteinander kombiniert werden.
„Die Endstufen“
- Irgendwann musste das kleine Audiosignal aber in Leistung umgesetzt werden.
- Das war die Aufgabe der Endstufen.
- Sie erhielten das aufbereitete Audiosignal und stellten die elektrische Leistung bereit, die für die Lautsprecher erforderlich war.
- Auch hier gab es bei größeren Anlagen nicht einfach nur eine einzige Endstufe.
- Je nach Beschallungskonzept konnten mehrere Endstufen für unterschiedliche Frequenzbereiche oder Lautsprechergruppen eingesetzt werden.
- Damit wurde aus einem Mischpultsignal schließlich echte akustische Leistung.
„Vom elektrischen Signal zur Luftbewegung“
- Am Ende steht der Lautsprecher.
- Der Lautsprecher macht aus elektrischer Energie wieder Bewegung.
- Eine Membran bewegt sich.
- Diese Bewegung versetzt die Luft in Schwingung.
- Aus einem elektrischen Signal ist wieder Schall geworden.
- Und genau dort schließt sich der Kreis.
- Die Bewegung einer Gitarrensaite hat am Anfang das elektrische Signal erzeugt.
- Am Ende bewegt der Lautsprecher die Luft.
- Dazwischen liegt eine komplette technische Welt.
„Und jetzt kommt das Entscheidende“
- Wenn man sich diese Kette anschaut, wird eine Frage besonders interessant.
- Was passiert eigentlich mit einem Gitarrensignal, wenn es durch so viele Geräte und über sehr lange Kabelwege geführt wird?
- Die Antwort lautet:
- Das Signal bleibt nicht einfach völlig unverändert.
- Jedes Gerät besitzt elektrische Eigenschaften.
- Jedes Kabel besitzt elektrische Eigenschaften.
- Jede Steckverbindung besitzt elektrische Eigenschaften.
- Jede Verstärkerstufe besitzt elektrische Eigenschaften.
- Und jeder Übertragungsweg kann theoretisch Einfluss nehmen.
- „Warum professionelle Systeme trotzdem funktionierten“
- Genau deshalb waren professionelle symmetrische Signalwege so wichtig.
- Störungen, Brummen und Einstreuungen mussten möglichst gering gehalten werden.
- Besonders auf langen Strecken spielten saubere Verkabelung, geeignete Pegel, korrekte Masseführung und professionelle Steckverbindungen eine große Rolle.
- Der Yamaha-MC2404-Leitfaden widmet diesem Thema sogar eigene Abschnitte zu Kabelkonfigurationen, Brummvermeidung, Erdung und Ground-Lift.
- Das zeigt sehr schön:
- Diese Probleme waren nicht erst eine Erfindung des digitalen Zeitalters.
- Auch analoge Profis mussten ihre Systeme sauber planen.
„Der große Unterschied zu heute“
- Heute übernimmt ein großer digitaler Signalprozessor viele Aufgaben, für die früher mehrere Geräte notwendig waren.
- Equalizer, Frequenzweichen, Limiter, Delay und Lautsprecherverwaltung können in einer einzigen digitalen Systemarchitektur zusammenlaufen.
- Dazu kommen digitale Mischpulte mit Szenen, Presets und automatisierbaren Einstellungen.
- Das spart Platz und erleichtert viele Arbeitsabläufe.
- Aber es verändert auch die Arbeitsweise.
- Damals konnte man auf einen Blick erkennen, welches Gerät gerade welche Aufgabe erfüllte.
- Heute kann ein einziges Gerät sehr viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen.
„Analog war sichtbar“
- Das ist vielleicht einer der größten Unterschiede.
- Bei einem historischen analogen System konnte man die Signalkette regelrecht mit den Augen verfolgen.
- Hier das Mischpult.
- Dort der Equalizer.
- Daneben die Frequenzweiche.
- Darunter der Limiter.
- Daneben weitere Signalprozessoren.
- Dann die Endstufen.
- Und schließlich die Lautsprecher.
- Die Technik war sichtbar.
- Und sie hatte Gewicht.
„Das berühmte schwarze Rack“
- Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, sehe ich deshalb nicht nur den Roland JC-120.
- Ich sehe auch die Racks.
- Ich sehe die Kabel.
- Ich sehe die Stecker.
- Ich sehe die Mischpulte.
- Ich sehe die Fader.
- Und ich höre natürlich den Klang.
- Gerade diese Verbindung zwischen sichtbarer Technik und hörbarem Ergebnis macht die damalige Zeit für mich bis heute interessant.
„Der Roland JC-120 im Gesamtsystem“
- Damit wird auch deutlich, warum der JC-120 isoliert betrachtet nur einen Teil der Geschichte erzählt.
- Der Verstärker war eine eigene Klangquelle.
- Sein Signal entstand innerhalb des Gitarrenverstärkers.
- Bei einer Beschallung musste dieser Klang anschließend wiederum mit einem Mikrofon aufgenommen und in das große PA-System eingespeist werden.
- Der Klang des JC-120 wurde also nicht einfach über einen einzelnen Kabelweg direkt zu den Saallautsprechern übertragen.
- Der tatsächliche Weg war wesentlich komplexer.
„Vom Saitenschwinger zum Ohr“
- Wenn wir die komplette Kette betrachten, ergibt sich ungefähr folgendes Bild:
- Die Gitarre erzeugt das ursprüngliche Signal.
- Effekte können dieses Signal verändern.
- Der Roland JC-120 erzeugt daraus seinen eigenen Verstärker- und Lautsprecherklang.
- Ein Mikrofon nimmt diesen Klang auf.
- Das Mikrofonsignal geht über die Bühnenverkabelung zur Stagebox.
- Von dort läuft es über das Multicore zum FOH-Platz.
- Dort gelangt es in den Yamaha MC2404.
- Über Misch-, Gruppen- und Monitorwege wird das Signal weiter verteilt.
- Grafische Equalizer und weitere analoge Signalprozessoren bearbeiten die verschiedenen Wege.
- Aktive Frequenzweichen können die Frequenzbereiche aufteilen.
- Endstufen erzeugen die notwendige elektrische Leistung.
- Passive Frequenzweichen können innerhalb von Lautsprechersystemen weitere Aufteilungen vornehmen.
- Die Lautsprecher wandeln die elektrische Energie schließlich wieder in Schall.
- Und dieser Schall erreicht den Menschen.
„Bis zum Ohr“
- Damit endet die Signalkette nicht am Lautsprecher.
- Für mich endet sie erst am Ohr.
- Denn Musiktechnik hat keinen Selbstzweck.
- Sie existiert nicht wegen der vielen Geräte.
- Sie existiert nicht wegen der schönen Fader.
- Und sie existiert auch nicht wegen der schwarzen 19-Zoll-Racks.
- Am Ende muss ein Mensch etwas hören.
- Der Musiker muss sich selbst und seine Mitmusiker hören.
- Der Toningenieur muss beurteilen können, was aus dem System kommt.
- Und das Publikum muss die Musik erleben.
„Was ich aus dieser Zeit mitnehme“
- Wenn ich heute auf diese Technik zurückblicke, sehe ich deshalb keine veraltete Technik.
- Ich sehe eine technisch sehr konsequente Welt.
- Jedes Gerät hatte seine Aufgabe.
- Jedes Kabel hatte seine Aufgabe.
- Jeder Stecker hatte seine Aufgabe.
- Jeder Fader hatte seine Aufgabe.
- Und jeder Musiker musste wissen, was er mit seinem eigenen Signal erreichen wollte.
- Natürlich ist moderne Technik in vielen Bereichen leistungsfähiger.
- Aber sie nimmt uns manchmal die Sichtbarkeit der einzelnen Arbeitsschritte.
- Früher konnte man die gesamte Kette buchstäblich anfassen.
„Berufserfahrung trifft Analyse“
- Genau hier liegt für mich der eigentliche Wert dieses Beitrags.
- Ich habe diese Technik nicht nur aus Büchern kennengelernt.
- Ich habe als Berufsmusiker mit solchen technischen Zusammenhängen gearbeitet und erlebt, wie sich die Geräte auf der Bühne und im Zusammenspiel mit einer Beschallungsanlage verhalten.
- Heute kann ich diese Erinnerungen zusätzlich aus journalistischer und technischer Sicht analysieren.
- Damit treffen sich meine berufliche Vergangenheit und meine heutige Arbeit.
„Der JC-120 bleibt etwas Besonderes“
- Der Roland JC-120 ist deshalb für mich mehr als ein legendärer Gitarrenverstärker.
- Er ist ein Stück Musikgeschichte.
- 1975 begann seine Geschichte.
- Sein ungewöhnlich klarer Clean-Sound und der integrierte räumliche Chorus machten ihn zu einem außergewöhnlichen Instrument.
- Und genau dieser räumliche Klang ist es, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
- Wenn ein Chorus oder Flanger sich hörbar durch den Raum bewegt, wenn die beiden Seiten des Systems miteinander arbeiten und der Klang plötzlich nicht mehr wie ein Punkt wirkt, sondern wie eine Bewegung, dann versteht man, warum solche Technik Musiker emotional erreichen konnte.
„Damals und heute“
- Heute kann ein Computer einen kompletten Verstärker simulieren.
- Ein digitales Mischpult kann hunderte Funktionen speichern.
- Ein DSP kann Equalizer, Frequenzweiche, Limiter und Delay gleichzeitig übernehmen.
- Ein Musiker kann seinen eigenen Monitormix drahtlos über In-Ear-Systeme hören.
- Technisch ist das beeindruckend.
- Aber die alte analoge Signalkette hatte etwas anderes.
- Sie machte den Weg des Signals sichtbar.
- Und genau diesen Weg wollte ich hier einmal wieder nachvollziehbar machen.
„Das eigentliche Thema“
- Das eigentliche Thema dieses Beitrags ist deshalb nicht nur der Roland JC-120.
- Das eigentliche Thema ist die Frage, wie aus einem musikalischen Gedanken ein hörbares Ereignis wurde.
- Eine Saite schwingt.
- Ein Tonabnehmer erzeugt ein elektrisches Signal.
- Ein Effektgerät verändert dieses Signal.
- Ein Verstärker verstärkt es.
- Ein Mikrofon nimmt den Verstärker wieder auf.
- Kabel transportieren das Signal.
- Eine Stagebox bündelt die Wege.
- Ein Multicore bringt sie zum Mischplatz.
- Ein analoges Mischpult verteilt und bearbeitet sie.
- Equalizer und Frequenzweichen formen das System.
- Endstufen liefern Leistung.
- Lautsprecher bewegen Luft.
- Und schließlich erreicht die Musik das Ohr.
„Vom Saitenschwinger zum Lautsprecher“
- Das ist für mich die eigentliche Geschichte hinter dem Roland JC-120.
- Nicht ein einzelnes Gerät.
- Sondern eine komplette technische Kette.
- Eine Kette, in der Berufserfahrung, persönliche Erinnerung und technische Analyse zusammengehören.
- Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich beim Schreiben solcher Beiträge immer wieder merke:
- Wenn man eine alte Technik wirklich verstehen möchte, muss man manchmal sehr weit zurückgehen.
- Bis zu dem Moment, in dem die erste Saite zu schwingen beginnt.
„Und dann kommt die nächste Idee“
- Wenn ich arbeite, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass plötzlich die nächste Idee um die Ecke kommt.
- Bei diesem Thema ist das vermutlich keine Überraschung.
- Denn wer einmal angefangen hat, eine historische analoge Signalkette vom Instrument bis zum Ohr auseinanderzunehmen, stellt irgendwann automatisch die nächste Frage.
- Welche Lautsprecher wurden damals tatsächlich eingesetzt?
- Welche Endstufen standen in den Racks?
- Welche Mikrofone wurden vor den Gitarrenverstärkern verwendet?
- Wie wurden Monitor- und FOH-Systeme bei besonders großen Veranstaltungen getrennt?
- Und welche Unterschiede gab es zwischen einer kleinen Clubanlage und einer professionellen Großbeschallung?
- Damit ist die Geschichte des Roland JC-120 eigentlich noch lange nicht zu Ende.



