Ein Rückblick auf ein Leben voller Wendepunkte und den unbändigen Willen aufzustehen
“Das Hospital del Mar – Wo meine Geschichte eine dramatische Kehrtwende nahm”
- Spanien war viele Jahrzehnte lang nicht nur mein Lebensmittelpunkt, sondern meine echte Heimat, in der ich leidenschaftlich lebte, intensiv arbeitete und das mediterrane Lebensgefühl in vollen Zügen genoss.
“2019”
- Als erfahrener Berufskraftfahrer steuerte ich schwere Nutzfahrzeuge durch pulsierende Metropolen, doch das Jahr 2019 sollte mein gesamtes Dasein mit einer brutalen Wucht auf den Kopf stellen.
- Es war ein drückend heißer Sommertag, als ich auf dem Werksgelände des global agierenden Chemiekonzerns BASF in Barcelona eintraf, um eine Ladung chemischer Produkte fachgerecht zu löschen.
- Unter den zu entladenden Gütern befanden sich tonnenschwere Fässer mit hochkonzentrierter Salzsäure.
“Salzsäure”
- Salzsäure, chemisch korrekt als Chlorwasserstoffsäure bezeichnet, ist eine farblose, stechend riechende und hochgradig aggressive, ätzende, wässrige Lösung von gasförmigem Chlorwasserstoff.
- Sie zählt zu den stärksten Mineralsäuren überhaupt und weist in ihrer technischen Konzentration meist einen Anteil von etwa 31 bis 37 Prozent auf, was ihr einen extrem sauren pH-Wert von weit unter 1 verleiht.
“Die Herstellung”
- Sie wird industriell vor allem zur Metallverarbeitung, Reinigung und chemischen Synthese genutzt, erfordert jedoch aufgrund ihrer immensen Reaktivität und Zersetzungskraft strengste Sicherheitsvorkehrungen beim Transport und Umschlag.
“Der verhängnisvolle Unfall auf dem heißen Asphalt von Barcelona”
- Die Entladung der chemischen Fracht erfolgte routinemäßig über einen Gabelstapler, doch in einem einzigen, unachtsamen Sekundenbruchteil rutschte eines der schweren Säurefässer aus der hydraulischen Klammerzange des Staplers.
- Das Fass stürzte in die Tiefe, schlug ungebremst auf dem durch die extreme Sommerhitze aufgeheizten Betonboden auf und barst augenblicklich unter dem enormen Innendruck.
“Die Temperaturen”
- Aufgrund der extremen Außentemperaturen stand ich an diesem Tag in einer luftigen, dreiviertel langen Sommerhose und kurzen, weißen Sommersocken nahe der Unfallstelle – eine Kleidung Zusammenstellung, die sich in Kombination mit der fehlenden Schutzkleidung als fataler Fehler erweisen sollte.
- Die Schienbeine lagen zwischen Hosenbund und Sockenrand komplett frei und ungeschützt.
- Als das Fass platzte, spritzte die kochend heiße, aggressive Salzsäure in hohem Bogen direkt über meine nackte Haut.
“Die Wunde”
- Wenn konzentrierte Salzsäure auf offenes Fleisch oder menschliches Gewebe trifft, löst sie eine sofortige, schwere Verätzung aus, die medizinisch als Koagulationsnekrose bezeichnet wird.
- Die Säure entzieht den biologischen Zellen schlagartig das Wasser und führt zu einer sofortigen Denaturierung und Ausfällung der körpereigenen Proteine.
- Dies führt zu einer tiefen, irreversiblen Zerstörung aller Hautschichten, der Blutgefäße und des darunterliegenden Gewebes, begleitet von traumatischen Schmerzen und einer extremen Infektionsgefahr.
“Das Hospital del Mar als medizinischer Rettungsanker in der katalanischen Metropole”
- In einer dramatischen Rettungsaktion wurde ich nach der Erstversorgung direkt in das weltbekannte Hospital del Mar in Barcelona eingeliefert.
“Die Gründung”
- Das bereits im Jahr 1875 gegründete Hospital del Mar ist ein hochmodernes, führendes öffentliches Krankenhaus in Spanien und ein international renommiertes Zentrum für universitäre Spitzenmedizin, zukunftsweisende Forschung und technologische Innovation.
- Direkt an der malerischen Strandpromenade gelegen, verfügt es über eine einzigartige medizinische Infrastruktur.
“2019”
- Im Jahr meines Unfalls, 2019, beschäftigte die renommierte Institution über 6.100 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im medizinischen, wissenschaftlichen und pflegerischen Dienst.
- Die offiziellen Leistungszahlen der Klinik für das Jahr 2019 verdeutlichen die enorme Dimension dieser Institution!
- Es wurden weit über 893.000 ambulante Besuche registriert, stolze 115.592 stationäre Aufnahmen durchgeführt und exakt 28.747 hochkomplexe Notfall Besuche in den High-Tech-Ambulanzen bewältigt.
- Die hervorragenden Spezialisten dieser Klinik kämpften wochenlang um meine Beine.
- Zwar konnten sie die Extremitäten unter Aufbietung aller Kräfte retten, doch die Verätzungen hinterließen tiefe Spuren.
”Die transplantierte Haut”
- Die verbliebene, transplantierte Haut an meinen Schienbeinen war nach der Entlassung dermaßen extrem geschädigt, dass sie bis heute dünn und verletzlich wie Pergamentpapier ist.
“Der unbändige Wille und der nächste schwere Schicksalsschlag auf der Straße”
- Trotz der körperlichen Einschränkungen und des psychischen Traumas siegte mein unbändiger Wille und meine Liebe zum Beruf.
- Sobald ich wieder einigermaßen genesen war, zog es mich zurück in mein geliebtes Cockpit hinter das Lenkrad des Lastkraftwagens.
- Doch das Schicksal schlug ein zweites Mal erbarmungslos zu. Beim Entladen eines Kühlfahrzeuges kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall.
“Die Luftfederung”
- Kühlfahrzeuge im schweren Güterkraftverkehr sind mit hochentwickelten Luftfederungssystemen ausgestattet.
- Wenn man einen solchen Sattelauflieger von hinten nach vorne entlädt, verlagert sich das Gewicht kontinuierlich, wodurch das Heck des Trailers mechanisch immer höher steigt.
- Mein hochmoderner Sattelauflieger erlaubte es mir jedoch, die Luftfederung und damit die Höhe des Hecks über ein internes Steuerungssystem manuell von innen zu regulieren.
- Durch das gezielte Absenken des Hecks und das gleichzeitige automatische Anheben der Front entlastet dieses System den gesamten Körper des Fahrers beim Be- und Entladen physisch massiv, da extreme Steigungen beim Rangieren minimiert werden.
“Der Unfall”
- Als ich gerade dabei war, die letzten drei Paletten mit tiefgekühlter Ware (TK-Ware) zu entladen.
“TK-Ware”
- Das sind also Lebensmittel, die durch das industrielle Verfahren der Schockfrostung bei Temperaturen von mindestens -18 Grad Celsius oder kälter dauerhaft konserviert werden, um Vitamine und Textur ohne Qualitätsverlust zu erhalten.
“Dann passierte das Unglück”
- Ein abgebrochenes Holzstück einer defekten Europalette blockierte abrupt die Rollen meines Hubwagens.
- Die 550 Kilogramm schwere EU-Palette mit der gefrorenen Ware geriet im Sattelauflieger ins Wanken, flog mit voller Wucht in meine Richtung und begrub mich komplett unter sich.
- Die Krafteinwirkung war so gewaltig, dass mir dabei beide Knie gebrochen wurden.
“Bürokratische Kälte und die erzwungene Rückkehr in die deutsche Heimat”
- Nach diesem schweren Arbeitsunfall stand ich vor den Trümmern meiner Existenz, denn das gesamte Geschehen konnte in Spanien rechtlich und finanziell nie adäquat geklärt werden.
“Die BG”
- Die zuständige Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehr – eine gesetzliche Unfallversicherung, die eigentlich dafür zuständig ist, Arbeitsunfälle zu entschädigen, Betroffene medizinisch zu rehabilitieren und finanziell abzusichern – erklärte sich im bürokratischen Zuständigkeitsstreit schlichtweg für unzuständig für meinen Fall.
- Die monatlich hart erarbeiteten Beiträge wurden über all die Jahrzehnte hinweg dankend und klaglos angenommen, doch im Moment der bittersten Not wurde mir jede Unterstützung verwehrt – eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die mich auch heute noch tief wütend macht.
“Das Ergebnis”
- Das traurige Ende vom Lied war, dass ich Spanien unter Schmerzen verlassen musste.
- Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte:
- Es sollte ein Abschied von meiner Wahlheimat für viele Jahre werden.
- Wieder in Deutschland angekommen, fand ich zunächst Zuflucht im betreuten Wohnen in Heinsberg-Breberen.
- Die dortige institutionelle Enge engte mich jedoch stark ein, sodass ich mir eine eigene Bleibe suchte und schließlich eine kleine, schnuckelige Wohnung im idyllischen Selfkant-Heilder fand.
“Selfkant-Heilder”
- Selfkant-Heilder ist ein beschaulicher, ländlich geprägter Ortsteil der Gemeinde Selfkant im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, gelegen am absolut westlichsten Zipfel der Bundesrepublik Deutschland, direkt an der Staatsgrenze zu den Niederlanden.
“Der Kampf ums Überleben – Medizinische Notfälle und das Grauen von Jülich-Hambach”
- Doch die Ruhe im Selfkant war nur von kurzer Dauer, denn mein geschwächter Körper rebellierte erneut.
- Innerhalb kürzester Zeit erlitt ich zwei schwere, lebensbedrohliche Herzinfarkte – einen akuten Myokardinfarkt, bei dem es durch den plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes zum Absterben von Herzmuskelgewebe kommt.
“Die Niereninsuffizienz”
- Eine chronische Niereninsuffizienz ist, also das fortschreitende Versagen der Filter- und Entgiftungsfunktion der Nieren, was zu einer lebensgefährlichen Anreicherung von Stoffwechselgiften im Blut führt.
“Meine Jenny”
- Wenn ich damals nicht meine treue niederländische Partnerin an meiner Seite gehabt hätte, würde ich heute diesen Blogbeitrag nicht mehr schreiben können.
- Sie handelte geistesgegenwärtig und alarmierte ohne den regulären Zeitverlust direkt den Rettungsdienst des Kreises Heinsberg, welcher mich per Rettungswagen in die Uniklinik Aachen brachte.
“Die Uniklinik Aachen”
- Die Uniklinik Aachen ist eines der größten zusammenhängenden Krankenhausgebäude Europas und ein medizinisches Maximalversorgung Krankenhaus der Spitzenklasse, das überregionale Fachzentren für die Rettung komplexer Härtefälle besitzt.
- Nach einem kräftezehrenden, fünfmonatigen Aufenthalt auf den wurde ich im Anschluss in ein vermeintliches Pflegeheim nach Jülich-Hambach verlegt.
“Jülich-Hambach”
- Doch diese Einrichtung verdient den Namen Pflegeheim nicht – es war ein unhaltbarer, menschenunwürdiger Zustand.
“07.2023”
- Die Missstände waren so gravierend, dass in enger Zusammenarbeit mit der Heimleitung und Heimaufsicht des Kreises Düren dieses sogenannte Pflegeheim im Juli 2023 für immer geschlossen wurde.
- In einer dramatischen Aktion wurden mehrere Personen zwangsevakuiert, und wir wurden nach Nideggen in die Eifel verlegt, wo ich bis zum heutigen Tage im Pflegebett liege.
“Ein neuer Weggefährte, eiserne Disziplin und der Traum vom eigenen Leben in Düsseldorf”
- Seit der Ankunft in Nideggen hat sich mein Leben jedoch grundlegend zum Positiven verändert, denn ich habe endlich einen herausragenden, engagierten gesetzlichen Betreuer an meiner Seite.
- Er ist eine echte Stütze, die mir, wenn es nötig ist, auch mal die Ohren anzieht, um mich anzuspornen.
“Alten und Pflegeheime in Düsseldorf”
- Ursprünglich war vom System geplant, mich dauerhaft in einem regulären Alten- und Pflegeheim im Großraum Düsseldorf unterzubringen.
- Doch mein Betreuer bewies echte Menschlichkeit, sah mich an und sagte:
„Herr Diener, da sind Sie noch viel zu jung für!“
- Im ersten Moment schaute ich ihn völlig dumm und verdutzt an, doch inzwischen weiß ich ganz genau, dass dieser Betreuer einer der fähigsten und kompetentesten Menschen ist, die ich je kennengelernt habe.
“Die Ernährung”
- Angespornt durch diesen Zuspruch habe ich mein Leben und meine Ernährung radikal umgestellt.
- Morgens gibt es ein normales Frühstück.
- Mittags verzichte ich auf schwere Kost.
- Es gibt schlicht und einfach eine sehr nahrhafte Suppe – und sonst nichts.
“Auch das Abendessen wurde optimiert”
- Es gibt zum größten Teil immer nur gesundes Eiweißbrot mit etwas Butter und ein wenig Belag.
- Gemeinsam haben wir uns ein festes Ziel gesetzt:
- Wir wollten zu Weihnachten in einer eigenen Wohnung in Düsseldorf sein.
- Dieses Ziel habe ich aus persönlichen Gründen und für eine bessere Vorbereitung etwas weiter in Richtung des kommenden Jahres verschoben.
“Mein neuer Meilenstein steht felsenfest”
- Zu meinem Geburtstag am 17. März möchte ich in meiner eigenen Wohnung sein!
“Die 24-Stunden-Pflegekraft”
- Sobald ich in der eigenen Wohnung bin, benötige ich aufgrund der gesundheitlichen Schädigungen natürlich immer noch eine 24-Stunden-Pflegekraft, doch der Weg in die Freiheit ist geebnet.
“Wie es danach weitergeht, weiß ich aktuell noch nicht, aber eines weiß ich ganz genau”
- Ich will nicht nur im Rollstuhl wieder durch die Gegend cruisen, sondern ich werde alles dafür tun, um endlich wieder auf eigenen Beinen mit dem Rollator laufen zu können!




Ja, von jetzt auf gleich, kann ein Unfall oder Krankheit das Leben verändern.