”Heute bin ich auf Facebook über den Vorfall in Taucha gestolpert, und ehrlich gesagt habe ich mich sofort gefragt, ob in manchen Behörden überhaupt noch jemand versteht, wie der Alltag von Einsatzkräften wirklich aussieht”
- Ein Feuerwehrmann fährt mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz, wird dabei geblitzt und bekommt anschließend ein Bußgeldverfahren aufgebrummt.
- Genau in solchen Momenten frage ich mich ernsthaft, ob der gesunde Menschenverstand in Teilen der Verwaltung inzwischen komplett durch reine Aktenlogik ersetzt worden ist.
- Einsatzfahrten sind keine gemütlichen Spazierfahrten durch den Stadtverkehr.
- In solchen Situationen geht es häufig um Menschenleben, um Brände, um Unfälle oder um Situationen, in denen jede Sekunde zählt.
- Trotzdem wird am Ende ausgerechnet derjenige bestraft, der versucht hat, möglichst schnell Hilfe zu leisten.
“Meine Erfahrung aus fast zwei Jahrzehnten im Rettungsdienst”
- Mein Name ist Jakob Diener, ich bin nicht nur freiberuflicher Redakteur und Journalist, sondern auch gelernter Rettungssanitäter.
”Vielleicht reagiere ich auf diesen Fall auch deshalb so deutlich, weil ich selbst genau weiß, wie sich solche Situationen anfühlen”
- Ich war fast 20 Jahre lang als Rettungssanitäter im Kreis Heinsberg tätig, und in dieser Zeit habe ich unzählige Einsatzfahrten erlebt.
- Wenn der Melder geht, denkt man nicht darüber nach, ob irgendwo vielleicht ein Blitzer stehen könnte.
- Man denkt daran, möglichst schnell zum Einsatzort zu kommen.
- Man weiß nicht, ob dort jemand einen Herzinfarkt hat, ob ein schwerer Verkehrsunfall passiert ist oder ob jede Sekunde über Leben und Tod entscheidet.
”Genau deshalb gibt es Sonderrechte für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst im Straßenverkehr”
- Sie existieren, weil der Gesetzgeber erkannt hat, dass Einsatzkräfte unter völlig anderen Bedingungen unterwegs sind als normale Verkehrsteilnehmer.
- Aus genau diesem Grund kann ich die Reaktion dieses Feuerwehrmannes sehr gut verstehen.
“Wenn Bürokratie wichtiger wird als Realität”
- Der Fall zeigt für mich aber auch ein größeres Problem.
- Es wirkt immer häufiger so, als würden Entscheidungen in Behörden ausschließlich nach Paragraphen und Aktenlage getroffen werden, während die Realität draußen auf der Straße kaum noch eine Rolle spielt.
”Natürlich muss auch eine Einsatzfahrt verantwortungsvoll durchgeführt werden, darüber besteht überhaupt kein Zweifel”
- Aber wenn man eine Einsatzfahrt im Nachhinein einfach wie eine gewöhnliche Geschwindigkeitsüberschreitung bewertet, dann ignoriert man die gesamte Situation, in der sich die Einsatzkräfte befunden haben.
- Für viele Feuerwehrleute und Rettungskräfte fühlt sich so etwas wie ein Schlag ins Gesicht an.
- Einerseits werden sie bei Katastrophen oder großen Einsätzen öffentlich gelobt, andererseits werden sie im Alltag mit bürokratischen Verfahren konfrontiert, wenn sie genau diese Arbeit erledigen.
“Der Rücktritt des Feuerwehrchefs – ein deutliches Zeichen”
- Besonders beeindruckt hat mich in dieser Geschichte auch die Reaktion des damaligen Stadtwehrleiters der Feuerwehr in Taucha, Cliff Winkler.
- Er hat die Situation nicht einfach hingenommen, sondern klare Worte gefunden und schließlich sogar sein Amt niedergelegt.
”Für mich ist das ein sehr starkes Signal”
- Ein Feuerwehrchef gibt sein Ehrenamt nicht einfach so auf.
- Dahinter stecken meistens viele Jahre Engagement, Verantwortung und Leidenschaft für die Feuerwehr.
- Genau deshalb habe ich persönlich großen Respekt vor dieser Entscheidung.
- Er hat damit deutlich gemacht, dass es hier nicht nur um ein einzelnes Bußgeld geht, sondern um eine grundsätzliche Frage des Umgangs mit ehrenamtlichen Einsatzkräften.
“Wie ich persönlich reagiert hätte”
- Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich sogar, dass ich in dieser Situation noch einen Schritt weiter gegangen wäre.
- Ich hätte mir sofort einen Fachanwalt für Verkehrsrecht gesucht und die ganze Sache juristisch überprüfen lassen.
- Gerade wenn Sonderrechte im Straßenverkehr eine Rolle spielen, ist die rechtliche Lage oft deutlich komplexer, als es ein einfacher Bußgeldbescheid vermuten lässt.
- Es gibt genug Fälle, in denen Gerichte Entscheidungen von Behörden später wieder kassieren, weil die besondere Einsatzsituation nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
- Deshalb hätte ich zumindest versucht, diese Entscheidung rechtlich anzufechten.
“Mein Fazit”
- Je länger ich über diesen Fall nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es ein Symptom für ein größeres Problem ist.
- Deutschland lebt zu einem großen Teil vom Engagement ehrenamtlicher Helfer.
- Gerade bei der Feuerwehr wären viele Städte und Gemeinden ohne Freiwillige überhaupt nicht mehr handlungsfähig.
- Wenn genau diese Menschen irgendwann das Gefühl bekommen, dass ihre Arbeit von Politik und Verwaltung nicht verstanden oder sogar behindert wird, dann wird es langfristig schwierig.
- Der Fall aus Taucha ist deshalb für mich nicht nur eine lokale Geschichte, sondern ein Warnsignal.
”Wer Ehrenamtliche ständig mit Bürokratie konfrontiert, darf sich irgendwann nicht wundern, wenn immer weniger Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn der Alarm geht”




Genauso ist es.
Irgendwann will es keiner mehr tun.