Die Pflege in Deutschland

Ein persönlicher Bericht über ein System am Limit!

“Ein System, das ich plötzlich selbst erleben muss

  • Mein Name ist Jakob Diener, ich bin nicht nur freiberuflicher Redakteur und Journalist, sondern auch Betroffener in diesem System.

”Ich hätte mir in meinem ganzen Berufsleben niemals vorstellen können, einmal selbst zum Betroffenen eines Pflegesystems zu werden, das offensichtlich seit Jahren am Limit arbeitet”

  • Ich bin gelernter Rettungssanitäter und habe viele medizinische Notfälle gesehen.
  • Ich habe Menschen nach Unfällen versorgt, Herzinfarkte begleitet und Angehörige beruhigt.
  • Doch das, was ich heute selbst erlebe, ist ein anderes Kapitel.
  • Es ist nicht der einzelne Notfall, sondern ein strukturelles Problem.
  • Ein System, das jeden Tag versucht zu funktionieren, obwohl es offensichtlich überlastet ist.

“Ich erlebe dieses Fiasko aktuell direkt vor Ort”

  • Als jemand, der jahrelang im Gesundheitsbereich tätig war, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal selbst in einer Situation lande, in der ich täglich beobachten muss, wie Pflegekräfte an ihre Grenzen kommen, wie Bewohner auf Hilfe warten müssen und wie organisatorische Defizite sichtbar werden.
  • Genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag.

“Mein Leben vor dem Unfall – Arbeiten und Leben in Spanien”

  • Im Jahr 2019 lebte und arbeitete ich in Spanien.
  • Genauer gesagt in Cambrils, einer Küstenstadt an der sogenannten Costa Daurada im Nordosten Spaniens.
  • Cambrils liegt in der Provinz Tarragona in der autonomen Region Katalonien.
  • Die Stadt befindet sich etwa 80 bis 100 Kilometer südwestlich von Barcelona und ungefähr 260 Kilometer nordöstlich von Valencia.
  • Sie liegt direkt am Mittelmeer und gehört zu einer touristisch geprägten Region mit langen Stränden und einem bedeutenden Fischereihafen.
  • Das Klima dort ist typisch mediterran.

”Die Sommer sind heiß und trocken mit durchschnittlichen Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius, während die Winter mild bleiben und meist zwischen 10 und 15 Grad liegen”

  • Die Region hat ungefähr 300 Sonnentage pro Jahr und eine jährliche Niederschlagsmenge von etwa 500 Millimetern.
  • Für viele Menschen gilt diese Gegend als ein idealer Ort zum Leben und Arbeiten.
  • Auch für mich war das damals so.
  • Ich arbeitete als Berufskraftfahrer und Kraftverkehrsmeister auch im Umfeld der chemischen Industrie.
  • Doch ein einziger Tag änderte alles.

“Der schwere Arbeitsunfall mit Salzsäure”

  • Während einer Entladung von Salzsäure kam es zu einem schweren Arbeitsunfall.
  • Salzsäure, chemisch als Chlorwasserstofflösung (HCl) bezeichnet, gehört zu den stark ätzenden Mineralsäuren.
  • Industrielle Salzsäure besitzt häufig Konzentrationen zwischen 25 und 37 Prozent.
  • In diesem Zustand hat sie einen extrem niedrigen pH-Wert von unter 1 und wirkt sofort zerstörerisch auf organisches Gewebe.

”Bei dem Unfall wurden meine beiden Schienbeine massiv verätzt”

  • Wenn konzentrierte Salzsäure auf die Haut trifft, beginnt sofort eine chemische Reaktion.
  • Die Säure zerstört Zellstrukturen, denaturiert Proteine und verursacht sogenannte Koagulationsnekrosen.
  • Das bedeutet, dass das betroffene Gewebe buchstäblich abstirbt.
  • In schweren Fällen dringt die Säure bis in tiefe Gewebeschichten vor, zerstört Muskeln, Nerven und teilweise sogar Knochenstrukturen.
  • Die Folgen sind oft langwierige Heilungsprozesse, chronische Schmerzen, Narbenbildung und teilweise dauerhafte Funktionsverluste.
  • Genau das ist auch bei mir passiert.
  • Aus einem Arbeitsunfall wurde eine gesundheitliche Katastrophe, die mein gesamtes weiteres Leben beeinflussen sollte.

“Die Rolle der Berufsgenossenschaft und ein bitteres Erwachen”

  • Als Berufskraftfahrer und Kraftverkehrsmeister wäre in Deutschland im Jahr 2019 grundsätzlich die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation zuständig gewesen.
  • Diese Organisation ist eine der gesetzlichen Unfallversicherungen in Deutschland und kümmert sich um Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten in Bereichen wie Transport, Logistik und Verkehr.
  • Die gesetzliche Unfallversicherung basiert auf Pflichtbeiträgen der Unternehmen.

”Ziel ist es eigentlich, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Arbeitsunfällen medizinisch zu versorgen, Rehabilitationsmaßnahmen zu finanzieren und gegebenenfalls Rentenleistungen zu zahlen”

  • Doch genau an dieser Stelle begann für mich das nächste Problem.
  • Die Zuständigkeit wurde abgelehnt.
  • Plötzlich stand ich vor der Frage, warum man über Jahre Beiträge zahlt, wenn im Ernstfall niemand Verantwortung übernehmen möchte!
  • Für mich war das der Moment, in dem aus einem Unfall ein bürokratisches Drama wurde.

“Zwei Herzinfarkte und eine Niereninsuffizienz”

  • Ende Februar 2020 folgte der nächste schwere gesundheitliche Einschnitt.
  • Innerhalb kurzer Zeit erlitt ich zwei Herzinfarkte sowie eine Niereninsuffizienz.

”Ein Herzinfarkt entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen wird”

  • Meist ist ein Blutgerinnsel verantwortlich, das eine bereits verengte Arterie komplett blockiert.
  • Dadurch wird der betroffene Teil des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
  • Bereits nach wenigen Minuten beginnen Herzmuskelzellen abzusterben.
  • In Deutschland erleiden jährlich rund 300.000 Menschen einen Herzinfarkt.
  • Die Folgen können lebensbedrohlich sein:
  • Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder dauerhafte Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit.

“Hinzu kam bei mir eine Niereninsuffizienz”

  • Dabei verlieren die Nieren ihre Fähigkeit, Stoffwechselprodukte aus dem Blut zu filtern.
  • Die Nieren sind zentrale Organe für den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Körpers.
  • Wenn ihre Funktion nachlässt, sammeln sich Giftstoffe im Blut an.
  • In schweren Fällen kann das zu Dialysepflicht oder Organversagen führen.

“Mein Blick auf die Pflege – täglich neue Realität”

  • Heute befinde ich mich in einer Pflegeeinrichtung in der Eifel.
  • Dort erlebe ich jeden Tag die Realität eines Systems, das offenbar seit Jahren strukturell überlastet ist.
  • Pflegekräfte arbeiten unter enormem Druck.
  • Viele von ihnen leisten menschlich und fachlich Beeindruckendes, aber sie können nicht gleichzeitig überall sein.
  • Wenn sich mehrere Pflegekräfte um eine große Zahl von Bewohnern kümmern müssen, entstehen zwangsläufig Situationen, in denen Menschen warten müssen.
  • Warten auf Hilfe, warten auf Medikamente, warten auf Unterstützung im Alltag.
  • Für die Betroffenen ist das kein abstraktes politisches Thema, sondern eine tägliche Realität.

“Die Pflegepolitik in Deutschland – Zahlen und Realität”

  • Deutschland hat eines der umfangreichsten Pflegesysteme Europas.
  • Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde 1995 eingeführt.
  • Sie finanziert Pflegeleistungen über Pflichtbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

”Doch die demografische Entwicklung stellt dieses System vor enorme Herausforderungen”

  • Laut Statistischem Bundesamt sind inzwischen rund fünf Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig.
  • Gleichzeitig wächst der Fachkräftemangel im Pflegebereich kontinuierlich.
  • Schätzungen verschiedener Institute gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2035 mehrere hunderttausend zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden.
  • Gleichzeitig verlassen jedes Jahr viele Beschäftigte den Beruf aufgrund von Arbeitsbelastung, Schichtsystemen und vergleichsweise niedriger Bezahlung.
  • Politische Maßnahmen wie Pflegepersonal-Untergrenzen, Reformen der Pflegeversicherung oder Förderprogramme für Ausbildung sollen die Situation verbessern.
  • Dennoch berichten viele Einrichtungen weiterhin von Personalengpässen.

“Meine persönliche Schlussfolgerung”

  • Wenn man jahrelang im Rettungsdienst gearbeitet hat, sieht man viele Dinge aus professioneller Distanz.
  • Man hilft, stabilisiert und fährt den Patienten ins Krankenhaus.

”Doch wenn man selbst plötzlich Teil dieses Systems wird, verändert sich der Blick radikal”

  • Ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal in dieser Situation stehen würde.
  • Dass ich selbst erleben würde, wie Pflegekräfte kämpfen, wie Strukturen überfordert sind und wie politische Entscheidungen am Ende ganz konkrete Auswirkungen auf Menschen haben.

”Die Pflege ist kein abstraktes Thema”

  • Sie betrifft jeden Menschen früher oder später.
  • Genau deshalb sollte sie in Deutschland eine der wichtigsten politischen Prioritäten sein.
  • Denn ein Land zeigt seinen wirklichen Zustand daran, wie es mit den Schwächsten umgeht.
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