Wissen aus Beruf & Leben. Der Neustart Kinderfotos im Netz – Die Gefahren von Sharenting

Kinderfotos im Netz – Die Gefahren von Sharenting

“Fotos von Kindern bis 18 Jahren gehören nicht ins Internet”

Die Veröffentlichung von Fotos und Videos von Kindern im Internet mag harmlos erscheinen, doch sie bringt reale Risiken, rechtliche Grenzen und gesellschaftliche Verpflichtungen mit sich, die wir uns alle bewusst machen müssen.

  • Als freiberuflicher Redakteur, Journalist und Vater – mein Name ist Jakob Diener – sehe ich dieses Thema nicht nur durch die emotionale Brille eines Vaters, sondern auch durch die objektive Brille der Gesetzgebung, der Realität unserer Gesellschaft und der Faktenlage zum Schutz von Kindern.

Rechtliche Grundlagen:

“Schutz von Kindern vor Veröffentlichung”

  • In Deutschland und der EU existieren klare rechtliche Rahmenbedingungen, die den Umgang mit personenbezogenen Daten und Bildern regeln.
  • Das „Recht am eigenen Bild“ schützt jede Person, darunter auch Kinder, und bestimmt, dass Fotos oder Videos nicht ohne ausdrückliche Einwilligung veröffentlicht werden dürfen – das gilt selbst dann, wenn sie die eigenen Kinder zeigen.

Dies ergibt sich aus dem Kunsturhebergesetz (§ 22, § 23 KUG) und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht.

  • Insbesondere bei Minderjährigen kann ab einem gewissen Alter (z. B. ab etwa 14 Jahren) auch das Kind selbst in Entscheidungen über seine Darstellung einbezogen werden müssen, da es ein Mitbestimmungsrecht besitzt.
  • Zudem regelt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

Die Veröffentlichung von Fotos ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten – und diese darf nur mit einer rechtlich wirksamen Grundlage stattfinden.

  • Bei minderjährigen Kindern ist die Einwilligung der gesetzlichen Vertreter erforderlich, und je nach Alter des Kindes kann auch das Kind selbst zustimmen müssen.
  • Auf europäischer Ebene schreibt der Digital Services Act (DSA) vor, dass Anbieter von Online-Diensten und sozialen Netzwerken besondere Schutzmaßnahmen für Minderjährige treffen müssen.
  • Dazu zählen Maßnahmen zur Privatsphäre und Sicherheit, die verhindern sollen, dass Kinder unkontrolliert im Netz dargestellt oder gefunden werden können.

“Warum Kinderfotos im Netz problematisch sind – nicht nur rechtlich, sondern real”

  • Auch wenn manche Eltern heute unbeschwert Fotos ihrer Kinder auf Social Media teilen, warnen Experten und Institutionen eindringlich vor den Gefahren solcher Veröffentlichungen.
  • Pädokriminelle Akteure sammeln gezielt Kinderbilder im Internet, nicht nur in illegalen Foren, sondern auch im sogenannten Darknet!

Selbst vermeintlich harmlose Fotos können bearbeitet, manipuliert oder sexualisiert werden.

  • Das Bundeskriminalamt rät deshalb ausdrücklich davon ab, Kinderbilder online zu stellen.
  • Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz stellt klar, dass beim Teilen von Fotos nicht nur die Privatsphäre verletzt werden kann, sondern auch Risiken wie Identitätsdiebstahl, Cybermobbing oder spätere Bloßstellung bestehen.

Pädosexuelle Täter nutzen Bilder oft in sexuellen Kontexten oder für Missbrauchszwecke – auch solche, die Eltern als unschuldig empfinden.

  • Selbst die Politik erkennt diese Problematik zunehmend:
  • Beim Deutschen Bundestag wurde in einer öffentlichen Sitzung darauf hingewiesen, dass das Posten und Vermarkten von Kinderbildern oftmals Kinderrechte verletzt und gefährliche digitale Risiken birgt.
  • Forderungen nach einer konsequenten Umsetzung des Datenschutzrechts und besseren Sanktionen bei Verstößen wurden laut.

Alarmsignale aus der Realität:

“Zahlen zu sexuellem Missbrauch und Gefahr im Netz”

  • Die Tatsache, dass Kinderfotos nicht nur theoretisch „gefährlich sein können“, sondern reale Risiken darstellen, zeigen die offiziellen Zahlen zum sexuellen Missbrauch in Deutschland.
  • Nach den jüngsten verfügbaren Daten wurden gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2024 über 16.300 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen registriert, und es gab insgesamt gut 18.000 Opfer im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch – ein erschütternd hohes Niveau, das weiterhin auf einem Alarmstatus bleibt.

Mehr als die Hälfte der Opfer waren Mädchen, und in einem Großteil der Fälle (über 50 %) bestanden Vorbeziehungen zwischen Täter und Opfer, das heißt, der Täter war kein Fremder, sondern eine bekannte Person aus dem sozialen Umfeld des Kindes.

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass die tatsächliche Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen weitaus höher liegt als die offiziell erfassten Fälle – teilweise wird von bis zu einer Million Betroffener ausgegangen, wenn Dunkelziffern berücksichtigt werden.

Diese Zahlen geben uns zu denken:

  • Die Gefahr für Kinder endet nicht, sobald ein Foto online gestellt wird.
  • Bilder im Netz bleiben oft dauerhaft verfügbar, auch wenn sie gelöscht wurden.
  • Ein Foto kann Schlagzeilen machen, im Darknet landen oder für spätere Erpressung, Manipulation oder digitalen Missbrauch genutzt werden.

“Nicht nur fremde Täter – auch das familiäre Umfeld ist gefährlich”

  • Zudem zeigen Studien und kriminalstatistische Erhebungen, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht ausschließlich von Fremden ausgeht.
  • Ein erheblicher Teil der Täter ist dem Opfer bekannt – oft aus dem familiären Umfeld, von Verwandten, Nachbarn oder anderen Bezugspersonen.
  • Diese Realität macht den Schutz von intimen, privaten Bildern noch dringlicher.
  • Man kann nicht davon ausgehen, dass ein geliebter Onkel, ein Familienfreund oder eine andere vertraute Person ein „unschuldiges Bild“ nicht missbrauchen würde, wenn die Gelegenheit dazu besteht.

Mein persönliches Fazit:

“Verantwortungsvoller Umgang und digitales Bewusstsein”

  • Aus all diesen Gründen ist es nicht nur eine persönliche Meinung, sondern auch im Sinne von Gesetzen, Datenschutz und Kinderrechten eine verantwortungsvolle Haltung, Kinderfotos nicht leichtfertig ins Internet zu stellen.
  • Die Veröffentlichung birgt rechtliche Risiken, kann die Privatsphäre und Identität des Kindes verletzen, und sie kann unfreiwillig zur Gefahrensituation für das Kind werden, wenn die Bilder in falsche Hände geraten.

Als Vater sehe ich es so:

  • Die schönsten Momente im Leben eines Kindes dürfen im familiären Kreis geteilt, bewahrt und geliebt werden – aber nicht auf einem globalen, ungesicherten, nie vergessenen und oft unkontrollierbaren digitalen Marktplatz.

Die Zukunft unserer Kinder verdient Schutz, Respekt und ein digitales Bewusstsein, das über Likes und Shares hinausgeht.

Click to rate this post!
[Total: 1 Average: 5]

2 Gedanken zu “Kinderfotos im Netz – Die Gefahren von Sharenting”

  1. Ein sehr guter Beitrag.
    Ich poste schon lange keine Bilder mehr, nein auch nicht im Status.
    Da kann man einen Screenshots machen.
    Man guckt den Menschen nur bis zur Stirn, was dahinter passiert, weiß keiner.
    Auch ich nicht.
    Und darum poste ich keine Bilder mehr.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

The maximum upload file size: 512 MB. You can upload: image, audio, video, document, spreadsheet, interactive, text, archive, code, other. Links to YouTube, Facebook, Twitter and other services inserted in the comment text will be automatically embedded. Drop file here

Related Post