• Forschung, Technik und die Entstehung eines weltweiten Verschwörungsmythos!
  • Wenn ich mich heute mit HAARP beschäftige, dann tue ich das nicht aus einer reinen Neugier heraus.

”Funk begleitet mich seit Jahrzehnten”

  • Mein Name ist Jakob Diener, ich bin nicht nur freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen.

”Meine eigene Geschichte mit der Funktechnik begann bereits 1982 mit dem CB-Funk”

  • Damals hatte ich eine Stabo XF 4012 als Heimstation.
  • Dazu gehörte meine erste Handfunkstation, die unter CB-Funkern ganz selbstverständlich als „Handquetsche“ oder kurz „Quetsche“ bezeichnet wurde:
  • Eine Stabo XF 2000.
  • Einige Jahre später kam eine President Lincoln dazu.
  • Damit bewegte ich mich technisch bereits deutlich weiter in Richtung Kurzwelle, SSB und der damals unter Funkern so faszinierenden Möglichkeit, über große Entfernungen Verbindungen aufzubauen.

“Auch die Geschichte mit dem Dachboden gehört dazu”

  • Ich hatte damals noch keine Amateurfunklizenz und wurde mit meiner President Lincoln zu Hause auf dem Dachboden erwischt.
  • Das Gerät wurde konfisziert.
  • Heute sehe ich diese Episode mit etwas Abstand.
  • Damals war sie natürlich weniger lustig.
  • Aber sie gehört zu meiner persönlichen Funkgeschichte und erklärt auch, warum mich die technischen Möglichkeiten des Funks schon lange beschäftigt haben.
  • Mit 30 Jahren machte ich schließlich meinen Amateurfunkschein beim DARC-Ortsverband Düsseldorf R01.
  • Der Ortsverband Düsseldorf trägt den DOK R01 bereits seit 1962.
  • Seine Geschichte reicht bis zur Gründung des Düsseldorfer Ortsverbandes im Jahr 1947 zurück.
  • Ich bin kein Ionosphärenforscher und möchte mich auch nicht als solches darstellen.
  • Aber ich kenne Funktechnik aus eigener Erfahrung.
  • Ich weiß, was eine Antenne macht, was Frequenzen und Wellenlängen bedeuten und dass Funkwellen nicht einfach immer nur geradlinig von einem Sender zum Empfänger laufen.

“Und genau deshalb interessiert mich HAARP”

  • Nicht, weil die Anlage geheimnisvoll wäre.
  • Sondern weil sie technisch interessant ist.

„Was ist eigentlich CB-Funk?“

  • Bevor ich zu HAARP komme, muss ich einen Schritt zurückgehen.
  • CB steht für „Citizens Band“.
  • Gemeint ist ein Funkdienst, der für die Allgemeinheit vorgesehen ist und den Menschen ermöglicht, über Funk miteinander zu kommunizieren.
  • In Deutschland entwickelte sich der CB-Funk insbesondere ab den 1970er-Jahren zu einem Massenphänomen.
  • Es entstanden Heimstationen, Mobilgeräte und Handfunkgeräte.
  • Für viele Menschen war das damals die Möglichkeit, sich unabhängig vom Telefon mit anderen Menschen auszutauschen.
  • Heute ist CB-Funk in Deutschland als private, nicht kommerzielle Funkanwendung weiterhin allgemein zugänglich.
  • Die Bundesnetzagentur regelt dafür die entsprechenden Frequenzen und Nutzungsbedingungen.
  • Das heutige Regelwerk umfasst den Bereich um 27 MHz und erlaubt je nach Kanal und Betriebsart unterschiedliche Anwendungen.
  • Die Bundesnetzagentur weist unter anderem 80 Kanäle im Bereich 26,560 bis 27,410 MHz aus.

”Damals war die Welt allerdings noch eine andere”

  • Kein Smartphone.
  • Kein Internet.
  • Kein WhatsApp.
  • Keine sozialen Netzwerke.
  • Wer Funk hatte, konnte sich mit Menschen unterhalten, die er vorher vielleicht überhaupt nicht kannte.
  • Und genau diese Mischung aus Technik und Kommunikation machte den CB-Funk für viele Menschen so faszinierend.

„Meine Stabo XF 4012“

  • Meine erste Heimstation war eine Stabo XF 4012.
  • Sie stand bei mir zu Hause in Heinsberg-Dremmen und war mein Einstieg in diese Welt.
  • Eine solche Heimstation war etwas völlig anderes als ein heutiges Smartphone.
  • Man musste sich mit Kanälen beschäftigen, mit der Antenne, mit Störungen und mit der Frage, warum man einen Gesprächspartner manchmal laut und klar und manchmal nur schwach oder verzerrt hörte.
  • Ich begann dadurch ganz praktisch zu verstehen, dass Funk nicht einfach nur aus einem Mikrofon und einem Lautsprecher besteht.
  • Hinter jeder Funkverbindung steckt Physik.

„Die Handquetsche“

  • Parallel dazu hatte ich meine Stabo XF 2000 als Handfunkgerät.
  • Unter CB-Funkern wurde ein solches Gerät schlicht als „Handquetsche“ oder „Quetsche“ bezeichnet.
  • Dieser Begriff war keine offizielle technische Bezeichnung.
  • Er gehörte zur Sprache der CB-Funker.
  • Für mich war das damals faszinierend, weil ich Funk nun nicht mehr nur von einer festen Station aus erleben konnte.
  • Ich konnte das Gerät mitnehmen und unterwegs funken.
  • Damit hatte ich bereits beide Seiten kennengelernt:
  • Die Heimstation und das tragbare Funkgerät.

„Die President Lincoln“

  • Einige Jahre später kam meine President Lincoln.
  • Dieses Gerät war technisch eine ganz andere Klasse als meine ursprüngliche CB-Heimstation.
  • Die klassische President Lincoln war als 10-Meter-HF-Transceiver ausgelegt und beherrschte verschiedene Betriebsarten, darunter AM, FM, USB, LSB und CW.
  • Damit bewegte man sich technisch bereits in einem Bereich, der unmittelbar mit der Kurzwelle und dem Amateurfunk verbunden ist.
  • Und genau hier wurde das Thema Reichweite für mich immer interessanter.

„Reichweite ist nicht einfach nur Wattzahl“

  • Unter Funkern wurde und wird gerne über Leistung gesprochen.
  • Mehr Watt – größere Reichweite.
  • So einfach ist es aber nicht.

„Die Reichweite einer Funkverbindung hängt von zahlreichen Faktoren ab“

  • Frequenz.
  • Antenne.
  • Antennenhöhe.
  • Standort.
  • Gelände.
  • Betriebsart.
  • Sendeleistung.
  • Empfindlichkeit des Empfängers.
  • Störungen.
  • Und bei Kurzwellenverbindungen ganz besonders von den aktuellen Ausbreitungsbedingungen.
  • Gerade das ist für meine spätere Beschäftigung mit HAARP wichtig.
  • Denn eine Funkwelle kann unter bestimmten Bedingungen sehr viel weiter kommen, als es die direkte Sichtverbindung vermuten lässt.

„USB und der sogenannte Nachbrenner“

  • In der damaligen Funkerszene war die Kombination aus einem geöffneten President-Exportgerät, USB und einem sogenannten „Nachbrenner“ besonders interessant.
  • Der Nachbrenner wurde auch „Brenner“, „Oma“, Leistungsverstärker oder Linearverstärker genannt.
  • Technisch handelte es sich dabei um einen zusätzlichen Hochfrequenz-Leistungsverstärker.
  • Das Gerät erhöhte die HF-Ausgangsleistung des Senders.
  • USB wiederum steht für „Upper Sideband“, also das obere Seitenband der Einseitenbandmodulation.
  • SSB ist für schwache Fernverbindungen besonders interessant, weil die verfügbare Sendeleistung wesentlich effizienter für die eigentliche Sprachinformation eingesetzt werden kann als bei klassischer AM.
  • Das bedeutete allerdings nicht, dass man mit einem Brenner automatisch weltweit funken konnte.
  • Der entscheidende Faktor war weiterhin die Ausbreitung.
  • Und damit kommen wir zur Sonne.

„Sonnenflecken und die große Zeit der Fernverbindungen“

  • Wer damals mit Kurzwelle beziehungsweise im Bereich um 27 MHz unterwegs war, bekam sehr schnell mit, dass die Sonne etwas mit Funk zu tun hatte.
  • Sonnenflecken sind sichtbare Bereiche mit starken magnetischen Feldern auf der Sonnenoberfläche.
  • In Zeiten höherer Sonnenaktivität treten häufiger Flares und andere Ereignisse auf.
  • Diese Vorgänge können die Ionosphäre der Erde verändern.
  • NASA beschreibt beispielsweise, dass solare Flares Funkübertragungen auf der Erde stören können.
  • Die energiereiche Strahlung und Teilchen aus solchen Ereignissen beeinflussen die Ionosphäre und damit auch die Funkwellenausbreitung.
  • Für uns Funker konnte das bedeuten: Plötzlich waren Verbindungen möglich, die unter anderen Bedingungen nicht funktionierten.
  • Das war für mich keine Theorie aus einem Lehrbuch.
  • Das konnte man hören.
  • Und manchmal konnte man es sogar kaum glauben.

„Was passiert eigentlich mit einer Funkwelle?“

  • Damit sind wir beim Kern meiner HAARP-Analyse angekommen.
  • Ein Sender erzeugt elektromagnetische Wellen.
  • Die Antenne bringt diese Energie in den Raum.
  • Je nach Frequenz und Ausbreitungsbedingungen kann sich die Funkwelle unterschiedlich ausbreiten.
  • Bei höheren Frequenzen und bestimmten Bedingungen kann eine Funkverbindung weitgehend auf Sicht funktionieren.
  • Bei Kurzwelle ist die Situation interessanter.
  • Hier kann die Ionosphäre eine entscheidende Rolle spielen.
  • Umgangssprachlich sprechen Funker häufig davon, dass eine Funkwelle von der Ionosphäre „reflektiert“ wird.
  • Physikalisch ist das etwas komplizierter.
  • Die Ausbreitung wird durch die ionisierten Bereiche der Atmosphäre beeinflusst.
  • Die Welle kann dabei in ihrer Ausbreitungsrichtung verändert beziehungsweise gebrochen werden und wieder in Richtung Erde gelangen.
  • Der Funker hört das Ergebnis.
  • Ein Signal, das scheinbar von weit außerhalb des normalen Horizonts kommt.

„Die Ionosphäre“

  • Die Ionosphäre beginnt ungefähr in einer Höhe von 60 bis 80 Kilometern und reicht weit in die obere Atmosphäre hinein.
  • Sie ist kein fester Ring um die Erde.
  • Sie ist ein dynamischer Bereich, in dem durch die Strahlung der Sonne Atome und Moleküle teilweise ionisiert werden.
  • Damit entstehen freie Elektronen und Ionen.

„Und genau diese elektrisch geladenen Teilchen beeinflussen elektromagnetische Wellen“

  • Die Ionosphäre verändert sich ständig.
  • Tag und Nacht unterscheiden sich.
  • Die Jahreszeit spielt eine Rolle.
  • Die geografische Lage spielt eine Rolle.
  • Die Sonnenaktivität spielt eine Rolle.
  • Geomagnetische Stürme spielen eine Rolle.
  • Und genau deshalb kann dieselbe Frequenz an einem Tag hervorragend funktionieren und am nächsten Tag plötzlich deutlich schlechter.

„Skip – wenn Funk plötzlich weit springt“

  • Unter Funkamateuren ist das Wort „Skip“ bekannt.
  • Gemeint ist damit vereinfacht gesagt die Möglichkeit, dass ein HF-Signal durch die Ionosphäre beeinflusst und wieder zur Erde geführt wird.
  • Dadurch kann eine Funkverbindung entstehen, die weit über die normale Bodenreichweite hinausgeht.
  • Mehrere solcher Ausbreitungsschritte können hintereinander erfolgen.
  • Damit kann ein Signal sehr große Entfernungen überwinden.
  • NASA beschreibt für HF-Funk um 30 MHz ebenfalls die Rolle der Ionosphäre und insbesondere der F-Region bei der Ausbreitung über große Entfernungen.
  • Für einen Funker ist das faszinierend.
  • Für einen Physiker ist es ein Untersuchungsgegenstand.
  • Und für HAARP ist es das zentrale Forschungsgebiet.

„Was ist HAARP?“

  • HAARP steht für „High-frequency Active Auroral Research Program“.
  • Der Name klingt zunächst kompliziert.
  • Im Grunde geht es um eine große Forschungsanlage, mit der Wissenschaftler die Ionosphäre untersuchen können.
  • Das zentrale Instrument ist das „Ionospheric Research Instrument“, kurz IRI.
  • Es besteht aus einem großen Feld von 180 Hochfrequenz-Antennen.
  • Die Antennen sind als phasengesteuertes Array angeordnet.
  • HAARP kann damit Hochfrequenzenergie gezielt in die Ionosphäre einstrahlen.
  • Die Anlage kann dabei bis zu 3,6 Megawatt abgestrahlte Leistung erreichen und arbeitet im Bereich von etwa 2,7 bis 10 MHz. Durch die Phased-Array-Technik kann der Strahl elektronisch in verschiedene Richtungen gelenkt und geformt werden.
  • Das klingt gewaltig.
  • Und die Anlage ist tatsächlich eine beeindruckende technische Konstruktion.
  • Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt:
  • 3,6 Megawatt sind nicht dasselbe wie 3,6 Megawatt, die irgendwo auf der Erdoberfläche wirken.
  • Die Energie wird in die obere Atmosphäre eingestrahlt und interagiert dort mit einem sehr dünnen, ionisierten Medium.

„Warum HAARP überhaupt existiert“

  • HAARP dient der Grundlagenforschung.
  • Die offizielle Beschreibung nennt als Ziel die Untersuchung physikalischer Prozesse in der Thermosphäre und Ionosphäre.
  • Dabei gibt es aktive Forschung, bei der das IRI eingesetzt wird, und passive Forschung, bei der vorhandene Messinstrumente die natürlichen Bedingungen beobachten.
  • Das Entscheidende ist also:
  • HAARP soll nicht die Erde als Ganzes verändern.
  • Es soll die Ionosphäre besser verstehen.
  • Dafür wird sie gezielt angeregt und anschließend beobachtet.
  • Das ist wissenschaftlich ausgesprochen interessant, weil man unter kontrollierten Bedingungen untersuchen kann, wie sich ionisierte Bereiche verhalten.

„Die militärische Geschichte von HAARP“

  • Hier muss ich einen Punkt ausdrücklich ansprechen, denn er ist einer der Gründe, warum HAARP später zum Gegenstand so vieler Spekulationen wurde.
  • HAARP hatte eine militärische Vorgeschichte.
  • Die Anlage wurde in den 1990er-Jahren unter Beteiligung des US-Militärs entwickelt und betrieben.
  • Die US Air Force und die US Navy waren daran beteiligt.
  • Das ist eine Tatsache.
  • Genauso ist es aber eine Tatsache, dass die Verantwortung für die Anlage später an die University of Alaska Fairbanks überging.
  • Die EPA beschreibt die militärische Verwaltung für den Zeitraum 1990 bis 2014 und die Übergabe von Anlagen und Ausrüstung an die University of Alaska Fairbanks im Jahr 2015.
  • Diese beiden Tatsachen sollte man nicht miteinander vermischen.
  • Eine militärische Vergangenheit ist kein Beweis für eine heutige geheime militärische Nutzung.
  • Sie erklärt aber durchaus, warum HAARP von Anfang an besonders aufmerksam beobachtet wurde.

„Was HAARP tatsächlich mit der Ionosphäre machen kann“

  • HAARP kann die Ionosphäre beeinflussen.
  • Das ist keine Verschwörungserzählung.
  • Das ist gerade der Sinn der Anlage.
  • Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Kann HAARP die Ionosphäre beeinflussen?“

  • Ja.
  • Die richtige Frage lautet:
  • Wie groß sind diese Veränderungen, wo treten sie auf und wie lange halten sie an?
  • HAARP erzeugt kontrollierte, lokale Veränderungen in einem bestimmten Bereich der Ionosphäre.
  • Die Anlage kann beispielsweise schwache optische Emissionen erzeugen, die mit empfindlichen Kameras beobachtet werden können.
  • Das ist wissenschaftlich dokumentiert.
  • Aber daraus folgt nicht, dass HAARP einen künstlichen Polarlichthimmel über Europa erzeugen kann.

„HAARP und das Polarlicht“

  • Das natürliche Polarlicht entsteht durch Wechselwirkungen zwischen der Sonnenaktivität, der Magnetosphäre und der oberen Atmosphäre.
  • Bei starken geomagnetischen Stürmen können geladene Teilchen in die obere Atmosphäre gelangen und dort Lichtemissionen erzeugen.
  • Das ist ein natürlicher Vorgang.
  • HAARP kann unter kontrollierten Bedingungen schwache künstliche optische Emissionen erzeugen.
  • Das ist etwas anderes.
  • Die HAARP-Betreiber haben im Mai 2024 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die damals weltweit beobachteten starken Polarlichter durch einen schweren geomagnetischen Sturm verursacht wurden und nicht durch HAARP.
  • Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie zwei reale Dinge miteinander verwechselt werden können:
  • HAARP kann schwache künstliche optische Effekte erzeugen.
  • Die Sonne kann gewaltige natürliche Polarlichter verursachen.
  • Beides ist wahr.
  • Aber es handelt sich nicht um dasselbe.

„HAARP und das Wetter“

  • Eine der bekanntesten Behauptungen lautet, HAARP könne das Wetter steuern.
  • Dabei wird häufig auf die enorme Sendeleistung verwiesen.
  • Doch hier muss man sich anschauen, wo das Wetter überhaupt entsteht.
  • Unser normales Wetter spielt sich überwiegend in der Troposphäre ab.
  • HAARP arbeitet dagegen mit der Ionosphäre in wesentlich größeren Höhen.
  • Die von HAARP verwendeten HF-Wellen werden nach offizieller Darstellung nicht in der Troposphäre und Stratosphäre so absorbiert, dass damit normale Wetterprozesse gesteuert werden könnten.
  • Damit fehlt bereits die grundlegende physikalische Voraussetzung für die oft behauptete Wettermaschine.
  • HAARP kann also die Ionosphäre untersuchen und beeinflussen.
  • Das bedeutet nicht, dass HAARP Hurrikane erzeugen, Gewitter steuern oder eine Hitzewelle auslösen kann.

„HAARP und Erdbeben“

  • Auch Erdbeben werden HAARP immer wieder zugeschrieben.
  • Hier ist die physikalische Trennung ebenfalls entscheidend.
  • Ein tektonisches Erdbeben entsteht durch die Bewegung und das plötzliche Versagen von Gesteinsstrukturen in der Erdkruste beziehungsweise Lithosphäre.
  • HAARP arbeitet dagegen mit elektromagnetischen Wellen in der Ionosphäre.
  • Zwischen beiden Vorgängen liegen völlig unterschiedliche physikalische Systeme.
  • Dass HAARP elektromagnetische Prozesse in der Ionosphäre beeinflussen kann, liefert deshalb keinen Mechanismus, mit dem die Anlage tektonische Spannungen in der Erdkruste gezielt auslösen könnte.
  • Eine solche Behauptung benötigt einen nachvollziehbaren physikalischen Mechanismus und reproduzierbare Belege.
  • Genau diese Verbindung ist nicht nachgewiesen.

„HAARP und Gedankenbeeinflussung“

  • Auch die Vorstellung, HAARP könne Menschen kontrollieren oder Gedanken beeinflussen, gehört zu den bekanntesten Behauptungen.
  • Die technische Grundlage dafür fehlt.
  • HAARP ist eine Forschungsanlage für die Ionosphäre.
  • Die Anlage ist nicht dafür ausgelegt, neuronale Aktivitäten einzelner Menschen gezielt zu beeinflussen.
  • Auch die offizielle HAARP-FAQ weist die Behauptung einer Gedanken- oder Verhaltenskontrolle zurück und verweist darauf, dass Neurowissenschaft ein eigenes Forschungsgebiet ist.
  • Das bedeutet nicht, dass elektromagnetische Felder grundsätzlich keinerlei biologische Wirkungen haben können.
  • Das wäre eine viel zu pauschale Aussage.
  • Es bedeutet vielmehr, dass aus der Existenz eines starken HF-Senders noch kein technischer Nachweis für eine Fernsteuerung menschlicher Gedanken folgt.

„HAARP und Chemtrails“

  • Damit kommen wir zu einem Thema, das besonders häufig zusammen mit HAARP genannt wird: sogenannte Chemtrails.
  • Hier müssen wir zunächst einen Begriff auseinanderhalten.
  • Ein Contrail, also ein Kondensstreifen, entsteht durch die Abgase eines Flugzeugtriebwerks unter geeigneten atmosphärischen Bedingungen.
  • Die heißen und feuchten Abgase treffen in großer Höhe auf sehr kalte Luft. Wasser kann dabei kondensieren und gefrieren.
  • Es entstehen Eiskristalle, die als sichtbarer Streifen hinter dem Flugzeug erscheinen.
  • Je nach Feuchtigkeit und Temperatur können solche Kondensstreifen schnell verschwinden oder lange bestehen bleiben und sich verbreitern.
  • Das ist normale Atmosphärenphysik.
  • Die EPA beschreibt ausdrücklich, dass Flugzeugabgase unter anderem Wasserdampf, Kohlendioxid und Partikel enthalten und dass unter geeigneten Bedingungen aus dem Wasserdampf Eiskristalle entstehen können.

„Aber Flugzeuge können doch Stoffe versprühen“

  • Ja.
  • Das ist tatsächlich möglich und wird auch gemacht.
  • Landwirtschaftliche Sprühflüge sind ein Beispiel.
  • Auch bei der Waldbrandbekämpfung werden Flugzeuge eingesetzt.
  • Das Entscheidende ist aber die Unterscheidung zwischen solchen dokumentierten Anwendungen und der Behauptung eines geheimen, großflächigen Sprühprogramms aus hoch fliegenden Verkehrsflugzeugen.
  • Die EPA unterscheidet diese Anwendungen ausdrücklich voneinander.
  • Landwirtschaftliche und feuerwehrtechnische Ausbringung gibt es, sie findet aber unter anderen Bedingungen und zu konkreten Zwecken statt.

„Gibt es Geoengineering wirklich?“

  • Hier wird es etwas komplizierter.
  • Ja, Geoengineering ist ein reales Forschungsgebiet.
  • Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen darüber, ob und wie man das Klima beziehungsweise den Strahlungshaushalt der Erde gezielt beeinflussen könnte.
  • Eine bekannte Forschungsrichtung ist die Solar Radiation Modification.
  • Das bedeutet aber nicht, dass ein geheimes weltweites Sprühprogramm existiert.
  • Die US-Umweltbehörde EPA schreibt ausdrücklich, dass keine großflächige Solar-Geoengineering-Anwendung stattfindet und dass die US-Regierung keine entsprechende großflächige Ausbringung betreibt.
  • Sie stellt außerdem klar, dass Solar-Geoengineering nicht über normale Kondensstreifen kommerzieller Flugzeuge stattfindet.
  • Forschung ist also nicht gleich Durchführung.

„Was sagt die wissenschaftliche Untersuchung zu Chemtrails?“

  • Eine häufig zitierte Untersuchung aus dem Jahr 2016 befragte Fachleute aus Atmosphärenchemie und Geochemie.
  • Von 77 teilnehmenden Wissenschaftlern erklärten 76, dass sie keine Belege für ein geheimes großflächiges atmosphärisches Sprühprogramm gefunden hätten.
  • Die Autoren kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass die angeführten vermeintlichen Belege durch bekannte physikalische und chemische Prozesse erklärt werden konnten.
  • Das ist kein Beweis dafür, dass jede einzelne ungewöhnliche Beobachtung am Himmel automatisch richtig erklärt wurde.
  • Es ist aber ein wichtiges wissenschaftliches Ergebnis, das bei einer seriösen Betrachtung berücksichtigt werden muss.

„Und was hat HAARP mit Chemtrails zu tun?“

  • Nach den verfügbaren wissenschaftlichen Informationen besteht keine nachgewiesene technische Verbindung.
  • HAARP ist ein Hochfrequenzsender zur Untersuchung der Ionosphäre.
  • Ein Kondensstreifen entsteht durch die Abgase eines Flugzeugtriebwerks und die atmosphärischen Bedingungen in großer Flughöhe.
  • Das sind zwei völlig unterschiedliche Vorgänge.
  • Auch die EPA stellt ausdrücklich fest, dass HAARP nicht mit Contrails, Geoengineering oder Wettermodifikation verbunden ist.
  • Damit ist eine häufig erzählte Verbindung zwar Teil der öffentlichen Erzählungen rund um HAARP, aber nicht durch belastbare wissenschaftliche Belege gestützt.

„Warum wirken solche Geschichten trotzdem überzeugend?“

  • Genau hier wird es für mich journalistisch interessant.
  • Denn die Ausgangspunkte vieler Geschichten sind tatsächlich real.
  • HAARP existiert.
  • HAARP hat eine militärische Vergangenheit.
  • HAARP besitzt leistungsfähige HF-Sender.
  • HAARP beeinflusst die Ionosphäre.
  • Die Sonne beeinflusst die Ionosphäre.
  • Sonnenaktivität beeinflusst Funkbedingungen.
  • Flugzeuge erzeugen Kondensstreifen.
  • Flugzeuge emittieren tatsächlich Partikel und andere Stoffe.
  • Geoengineering wird wissenschaftlich untersucht.
  • Das alles sind reale Fakten.
  • Problematisch wird es dort, wo aus mehreren realen Einzelinformationen automatisch eine gemeinsame geheime Ursache konstruiert wird.
  • Aus „HAARP beeinflusst die Ionosphäre“ wird dann beispielsweise „HAARP kontrolliert das Wetter“.
  • Aus „Flugzeuge emittieren Partikel“ wird „Flugzeuge versprühen absichtlich Gift“.
  • Aus „Geoengineering wird erforscht“ wird „Geoengineering wird heimlich weltweit durchgeführt“.
  • Das sind jeweils zusätzliche Behauptungen.
  • Und genau diese zusätzlichen Schritte müssen belegt werden.

„Die Bedeutung der Sonnenaktivität“

  • Für mich ist gerade die Sonnenaktivität ein besonders schönes Beispiel dafür, wie komplex das Thema Funk tatsächlich ist.
  • Wir Funkamateure wussten schon lange vor modernen Diskussionen über Weltraumwetter, dass die Bedingungen nicht jeden Tag gleich sind.
  • Die Sonne verändert die Ionosphäre.
  • Die Ionosphäre verändert die Ausbreitung.
  • Und die Ausbreitung verändert unsere Funkverbindungen.
  • NASA beschreibt beispielsweise, dass solare Flares die Funkkommunikation beeinträchtigen können.
  • NOAA verfolgt die Entwicklung des Sonnenzyklus und veröffentlicht regelmäßig Daten zu Sonnenfleckenzahlen und solarem Radiofluss.
  • Deshalb werde ich die Sonnenflecken und den Sonnenzyklus in einer eigenen späteren Analyse noch wesentlich ausführlicher untersuchen.
  • Für HAARP reicht an dieser Stelle die Erkenntnis:
  • Die Sonne ist ein natürlicher Großakteur in der Ionosphäre.
  • HAARP ist ein menschliches Forschungsinstrument, mit dem bestimmte ionosphärische Prozesse gezielt untersucht werden können.
  • Beides darf man nicht miteinander verwechseln.

„Was HAARP kann – und was nicht“

  • Wenn ich die gesamte Recherche auf einen einfachen Vergleich herunterbreche, sieht es für mich so aus:
  • HAARP kann die Ionosphäre gezielt anregen.
  • HAARP kann physikalische Veränderungen in einem begrenzten Bereich erzeugen.
  • HAARP kann diese Veränderungen messen.
  • HAARP kann schwache künstliche optische Emissionen erzeugen.
  • HAARP kann unter bestimmten Bedingungen VLF- und ELF-Signale über ionosphärische Wechselwirkungen erzeugen.
  • HAARP kann aber nicht nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen:
  • Das Wetter beliebig steuern,
  • Hurrikane nach Wunsch erzeugen,
  • tektonische Erdbeben auslösen,
  • Menschen aus der Ferne gedanklich kontrollieren,
  • weltweit Kondensstreifen erzeugen,
  • oder ein geheimes globales Chemtrail-Programm durchführen.

„Warum mich HAARP trotzdem fasziniert“

  • Vielleicht gerade deshalb.
  • Denn die tatsächliche Technik ist interessant genug.
  • Ich brauche keine künstliche Geheimnisgeschichte, um mich für eine Anlage wie HAARP zu interessieren.
  • 180 Antennen.
  • 3,6 Megawatt abgestrahlte HF-Leistung.
  • Ein phasengesteuertes Antennenfeld.
  • Frequenzen zwischen etwa 2,7 und 10 MHz.
  • Eine Forschungsanlage, die gezielt mit der Ionosphäre interagiert.
  • Das ist bereits faszinierend genug.
  • Und für jemanden wie mich, der 1982 mit einer Stabo XF 4012 angefangen hat, später eine Stabo XF 2000 als „Quetsche“ hatte, irgendwann mit einer President Lincoln experimentierte und schließlich mit 30 Jahren den Amateurfunkschein beim DARC-Ortsverband Düsseldorf R01 machte, ist die Verbindung sogar ziemlich logisch.
  • Ich komme aus dem Funk.
  • Ich habe selbst erlebt, was Reichweite bedeutet.
  • Ich habe erlebt, wie sich Funkbedingungen verändern.
  • Ich habe erlebt, was Sonnenaktivität für Funkverbindungen bedeuten kann.
  • Und ich habe gelernt, dass hinter einem scheinbar einfachen Funkgespräch eine ganze Menge Physik steckt.

„Mein Fazit“

  • HAARP ist weder eine harmlose Spielzeugfunkstation noch eine geheimnisvolle Allzweckmaschine.
  • Es handelt sich um eine außergewöhnliche wissenschaftliche Forschungsanlage mit einer militärischen Vorgeschichte, die heute der Erforschung der Ionosphäre dient.
  • Die Anlage kann die Ionosphäre tatsächlich beeinflussen.
  • Genau dafür wurde sie gebaut.
  • Aber zwischen dieser realen technischen Fähigkeit und den großen Behauptungen, die HAARP zugeschrieben werden, liegen gewaltige physikalische Unterschiede.
  • Wer behauptet, HAARP könne das Wetter steuern, Erdbeben erzeugen, Menschen kontrollieren oder über Flugzeuge Chemikalien auf die Bevölkerung verteilen, muss dafür mehr liefern als die bloße Existenz einer leistungsfähigen Forschungsanlage.
  • Er muss einen nachvollziehbaren Mechanismus zeigen.
  • Er muss reproduzierbare Daten liefern.
  • Und er muss die Behauptung gegen alternative, bereits bekannte Erklärungen abgrenzen.
  • Bei meiner Recherche habe ich genau diese Trennung vorgenommen.
  • Was ist Tatsache?
  • Was ist wissenschaftlich untersucht?
  • Was ist technisch möglich?
  • Was ist nur eine Interpretation?
  • Und was ist schlicht eine Behauptung ohne ausreichende Belege?
  • Für mich ist das der entscheidende Unterschied.
  • Denn gerade beim Funk habe ich eines sehr früh gelernt:
  • Nur weil etwas technisch möglich klingt, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch tatsächlich funktioniert.
  • Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf HAARP.
  • Nicht durch die Brille eines Mythos.
  • Sondern durch die Brille der Physik.
Click to rate this post!
[Total: 0 Average: 0]
Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mehr entdecken

Claire Bennet

In ewiger Erinnerung an Hayden Panettiere. “Der unvergessliche Glanz der ikonischen Heroes-Darstellerin Claire Bennet” Mein Name ist Jakob Diener, ich bin nicht nur freiberuflicher Redakteur und Journalist aus Nordrhein-Westfalen, sondern

Wartungsarbeiten an einem Webserver

Grundlagen, Bedeutung und technische Hintergründe! “Wartungsarbeiten an einem Webserver – Einleitung und Bedeutung” Wartungsarbeiten an einem Webserver sind ein zentraler Bestandteil moderner IT-Infrastruktur und bilden die Grundlage für einen stabilen,

Das Scheiße Zitat

Marie-Agnes Strack-Zimmermann ”Eine Politikerin, die von den Bürgerinnen und Bürgern Scheiße-Briefen angeblich diese Briefe bekommt?” Marie-Agnes Strack-Zimmermann! “Marie-Agnes Strack-Zimmermann, geboren am 10. März 1958 in Düsseldorf als Marie-Agnes Jahn, langjähriges